„Ich bin eigentlich nie erwachsen geworden, fühle mich nicht wie ein alter Mann“ Hardy Krüger in einem Interview zu seinem 75. Geburtstag 1969: Eve Kivi und Hardy Krüger im Spielfilm „Das rote Zelt“. 1958: Hardy Krüger mit Ronald Lewis bei den Dreharbeiten zu „Mit dem Kopf durch die Wand“. Hörspiel: Dinah Hinz und Hardy Krüger als Sprecher in einem NDR-Studio. James Stewart (2. v. l.), seine Frau Gloria (l.), Raquel Welch (m.), Hardy und Francesca Krüger. Seit Mitte der 70er-Jahre war aus dem Weltenbummler und gebürtigen Berliner ein Teilzeit-Hanseat geworden. Da hatte sich der Hobbyflieger und Freund Helmut Schmidts eine Wohnung an der Hamburger Außenalster gekauft. Mit seiner dritten Ehefrau Anita Park, einer US-amerikanischen Fotografin und Autorin, wurde diese Wohnung zum Deutschland-Sitz der Krügers – nach vorherigem gemeinsamen Probewohnen in Berlin und in München. Krüger kannte Hamburg, seit er als Statist 1945 mit 17 Jahren auf abenteuerlichen Wegen ans Deutsche Schauspielhaus gekommen war und sich nach dem Krieg hier am Theater und als Sprecher beim damaligen NWDR versuchte. Hardys erste Ehefrau Renate Densow, eine Schauspielerin, war Hamburgerin. Beide hatten sich während eines Fliegeralarms in Breslau im November 1944 kennen- und lieben gelernt. Hardy hatte gerade mal acht Tage Fronturlaub. Neun Monate später kam Tochter Christiane Krüger in Hamburg zur Welt. An der Alster sitzt bis heute auch der Verlag Hoffmann und Campe. Als der Verfasser dieser Zeilen den damals 88 Jahre alten (Über-)Lebenskünstler an einem Herbstvormittag 2016 dort im feinen Harvestehude zum Gespräch traf, war Hardy Krüger zu Fuß gekommen. In seiner legeren beigefarbenen Strickjacke wirkte er nach einem flotten Spaziergang nicht nur körperlich fit, es entwickelte sich ein Gespräch, das in mehreren Schritten Einblicke gab in sein Denken, Fühlen und Handeln. Sein damals jüngstes Buch „Was das Leben sich erlaubt“ stand da gerade auf den Bestsellerlisten. Eindringlich beschreibt Krüger, darin, wie er sich als Jugendlicher im Nazi-Deutschland unter Lebensgefahr vom Hitler-Anhänger zum Hitler-Gegner entwickelte. Doch eine Autobiografie, die sei das Buch bewusst nicht. „Ich habe nie eine geschrieben und werde keine schreiben“, stellte Krüger klar. „In diesem Buch schreibe ich, der 88-Jährige, ganz bewusst, was mit dem Achtjährigen passiert ist, mit dem 13-Jährigen, mit dem 15-Jährigen.“ Bereits als Fünfjähriger war er 1933 von seinen Eltern in die braun-schwarze Uniform des Deutschen Jungvolks gesteckt worden; am Ende des Zweiten Weltkrieges war er dann zum überzeugten Nazi-Gegner geworden. „Jesse Owens, der vierfache Goldmedaillengewinner in der Leichtathletik, war mein großer Held“, erzählte Krüger. 1936 sah er als Hitlerjunge mit seinem Vater im Berliner Olympiastadion zum ersten Mal in seinem Leben einen schwarzen Menschen. Ein Schlüsselerlebnis. „Ich habe ihn gefragt, warum der Führer ihm nicht die Goldmedaillen gebe.“ Eine Antwort auf seine Frage erhielt der kleine Junge vom Vater nicht. 23
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