Berliner Morgenpost Club | Hardy Krüger

1975: Hardy Krüger in einer Filmszene des Westerns „Potato Fritz“. Fotos: dpa/picture alliance, C. Behring/Future Image sich erlaubt“ in der Komödie Winterhuder Fährhaus mit ZDF-Talker Markus Lanz. Die anschließende Signierstunde mit vielen persönlichen Gesprächen an diesem November-Sonntag im Jahr 2016 dauerte deutlich länger. Es sollte einer seiner letzten großen öffentlichen Auftritte in der Hansestadt sein; kurz nach seinem 90. Geburtstag zeigte er sich Mitte April 2018 wiederum in Winterhude bei einer Matinee mit NDR-Moderatorin Bettina Tietjen noch mal auf der Bühne und las aus seinem Erzähl- und Sonderband „Ein Buch von Tod und Liebe“. Mit seinem Vorgänger-Buch und seinem Anliegen ging er, solange es möglich war, für Lesungen und Gespräche in Schulen. Ob er immer ein politischer Mensch gewesen sei? „Nein. Meine Eltern waren politikverdrossen, deshalb sind sie Hitler in die Arme gefallen. Und so etwas soll nie wieder passieren“, sagte Krüger, der Vater dreier erwachsener Kinder, 2016 bei unserem Treffen im Verlag an der Außenalster. „Und ich möchte, dass das der jungen Generation von heute nicht passiert. Als der Krieg vorbei war, habe ich eine gewisse Verpflichtung empfunden, etwas klarzustellen. Von 1949 an waren wir eine Demokratie. Wenn ich aber nach Paris und London kam, hat die Presse zunächst versucht, mich als Nazi darzustellen, weil ich blond und blauden“, sinnierte der Schriftsteller. Er sollte auf die schießen, die er längst als Befreier betrachtete. Hardy Krüger wusste dank des UfaStars Hans Söhnker von Stalingrad auch von den KZ Dachau und Bergen-Belsen. Er wusste, dass der Krieg verloren war. Wie sehr Kindheits- und Jugenderinnerungen einen Menschen prägen, dafür ist Hardy Krüger ein Extrembeispiel. Hans Söhnker habe ihn „umerzogen“. Der Schauspieler drehte damals, im Jahr 1943, „Große Freiheit Nr. 7“, Hardy Krüger in einer Nebenhalle der Filmstudios Babelsberg den NS-Film „Junge Adler“, für den er während seiner Schulzeit ausgewählt wurde. „Nach drei Monaten war ich so weit, mir eine Frage zu stellen“, erzählte Hardy Krüger. „Wem glaube ich: meinen Eltern, den Hitler-Jugend-Führern, den Erziehern in Sonthofen – oder glaube ich Söhnker? Er hatte etwas, das ich von meinem Vater immer gern gehabt hätte.“ Mit Söhnker, der Juden versteckte und ihnen zur Flucht in die Schweiz verhalf, konnte Krüger immer auch lachen, mit seinem Vater weniger. Hans Söhnker wurde für Hardy Krüger in doppelter Hinsicht zum Aufklärer: in Sachen Mädchen und in Sachen Politik. Diese Geschichten, seine ganze persönliche Historie, erzählte Hardy Krüger einige Tage später ebenso bei der Buchpräsentation von „Was das Leben 27

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