„Frauen plaudern über ihre prominenten Männer“ hieß ein Abendblatt-Format im Jahr 1959: Die Hamburger Schauspielerin Renate Densow war damals mit dem Berliner verheiratet TEXT: EBERHARD VON WIESE Renate Densow ist die Tochter eines Altonaer Nervenarztes. In Bahrenfeld, wo Großvater Gayen noch ein großes Gut besaß, ist sie aufgewachsen. „Mein Vater fühlte sich immer als verkannter Künstler. Künstler waren seine besten Freunde. Er war glücklich, als ich Schauspielerin werden wollte.“ Renates beste Schulfreundin war die heutige Heike Hagenbeck. „Eine Schulaufführung vergesse ich nie. Heike spielte die Franziska und ich den Tellheim.“ 1943. Renate in Breslau. Eins ihrer ersten Engagements. Man nannte damals Breslau noch den „Luftschutzkeller des Reichs“. Die schlesische Hauptstadt war vom Kriege unberührt. Renate spielte in „Die Tochter der Kathedrale“. Der greise Gerhart Hauptmann kam vom Wiesenstein zur Aufführung. „Schon so gebrechlich stand er zwischen uns Schauspielern vor dem Vorhang.“ 1944. November. Frau Reni erzählt: „Die Theater waren geschlossen. Wir wurden dienstverpflichtet. Schippten Panzergräben und nähten Uniformen in der Oper. Eines Abends holte ich mir wie üblich die Verpflegung im benachbarten Monopol-Hotel. Da kam Fliegeralarm. Einer der ersten in Breslau.“ Hardy und Reni sehen sich lächelnd an. Dieser Alarm spielte Schicksal in ihrem Leben. Wenn dieser Alarm nicht gewesen wäre, säße ich jetzt nicht bei den Krügers in Lugano. Und gäbe es auch keine allerliebste zwölfjährige Christiane, die während unseres Gesprächs auf dem Balkon schmökert. Im Hotel Monopol verbrachte nämlich Hardy acht Tage Fronturlaub. Von der Schulbank weg hatten sie ihn in Berlin eingezogen. Marschbefehl Ostfront. Aber Hardy hatte Glück. Als 15-Jähriger hatte er schon einmal eine Filmrolle gespielt. „Junge Adler“ hieß der Streifen. Erster Film des Regisseurs Weidenmann. Nun, die Filmleute erinnerten sich an Hardy – und brachten es fertig, dass sein Marsch nach Osten gestoppt wurde. Also in Breslau war es. Schicksalsstadt für so viele. Meilenstein des Glücks für zwei blutjunge Menschen. Und die Begegnung schon vom Abschied überschattet. Neuer Marschbefehl: Westfront. „Unsere Wege trennten sich. Jahre hörten wir nichts voneinander. Erst nach dem Krieg in Hamburg geschah das Wunder. Hardy tauchte in Hamburg auf und las auf einem Plakat der ,Jungen Bühne‘ meinen Namen.“ Zwei Menschen fanden sich wieder. Drei Menschen. Denn Christiane war nun auch dabei ... Hardy hatte keinen Beruf, keine Zukunft. Theater? Vielleicht war das der Weg. Er hatte ja immerhin schon einmal vor einer Filmkamera gestanden. Er hatte eine Empfehlung an den damaligen Direktor des Deutschen Schauspielhauses, Kühlis. Nachts büffelte er im Bahnhofsbunker Rollen zum Vorsprechen. „Weh dem, der lügt ...“ und „Der Kaufmann von Venedig“. Hardy durfte im Deutschen Schauspielhaus als Statist arbeiten. Für 3 Mark den Abend. Hardy zog dann mit der Wanderbühne durch die Lande. In Hannover MEIN MANN: HARDY KRÜGER Ich war die Einzige, die an Hardy glaubte. Damals in Hamburg um die Währungsreform herum. Als wir noch in Schulen und Sparkassensälen spielten und Hardy sich mit kleinsten Komikerrollen abfinden musste“, sagte Frau Reni. Das Leben mit dem „großen Jungen“ Hardy ist für die zärtlich-mütterliche Reni ein ziemlich aufregender Film. Ich besuchte die Krügers in Lugano. Im fünften Stock eines modernen Wohnblocks haben sie drei Zimmer. Das neue Traumhaus am traumhaften Luganer See ist auf dem Papier schon fertig. Hardy war gerade aus Berlin gekommen. Von der „Hamlet“-Premiere „Der Rest ist Schweigen“. Das Auto stand schon „gesattelt“. Die Krügers waren auf dem Sprung nach Paris. Zu Hardys neuem Käutner-Antikriegs-Schwank „Die Gans von Sedan“. Es ist sehr heiß. Hardy kauerte barfuß, mit blauer Leinenhose und offenem weißem Hemd in einem Sessel. Er sieht immer noch aus wie ein großer, trotziger Junge. Mit seinem blonden Strubbelkopf und seinen hellen blauen Augen. „Sie haben mich damals in Hamburg ausgelacht, als ich sagte: Der Hardy wird noch einmal Rollen wie James Mason spielen“, sagt Reni lächelnd und sieht ihren Hardy verliebt an. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Hardy braucht sich heute um Rollen keine Sorgen mehr zu machen. Ein „Star“ – und doch vor allem ein Schauspieler. Dass er so nett und natürlich geblieben ist – daran ist wohl Reni mitbeteiligt. 35
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