Es kam die Stunde der Entscheidung für Reni, als es mit Hardy aufwärts ging. Als sein Name immer größer an den Theatern, an den Lichtspielhäusern stand. „Entweder ich spielte weiter Theater und riskierte unser Glück – oder ich war für Hardy und Christiane da. Ich wollte keine Künstlerehe, die morgen schon wieder in die Brüche geht. Ich wählte die Familie. Ich spürte auch: Hardy braucht mich. Er liebt die familiäre Atmosphäre. Er will auch in den Hotels daheim sein. Nicht umsonst wohl hat er mir von der ersten Filmgage einen Koffer gekauft.“ So zieht denn Frau Reni mit, von Stadt zu Stadt, von Filmatelier zu Filmatelier. Einmal hat sie in München mit Hardy sogar in der Filmgarderobe gewohnt. Nur zuschauen, wenn er filmt, das tut sie nicht. Als Schauspielerin weiß sie, dass es nervös macht. Reni hört Hardy die Rollen ab. Und doch ist das „Lernen“ einer Filmrolle so ganz etwas anderes als beim Theater. Es gibt keine wochenlangen Proben. „Hardy hat so etwas wie eine kleine Leinwand im Gehirn. Da lässt er den Film so abspulen, wie er ihn sich vorstellt. Er legt sich seine Rolle zurecht. Andere Leute können das oft gar nicht verstehen, wenn Hardy anscheinend voller Langeweile am See herumdöst. Dann läuft sein Film!“ Frau Reni schreckt vor nichts zurück, wenn ihr „Igelkopp“ es schön findet. Hardy ist ein begeisterter Sportflieger. Schon als „junger Adler“ lernte er im Allgäu das Segelfliegen. Reni lässt sich, ohne mit der Wimper zu zucken, von Hardy durch die Luft kutschieren. Die schnittige Sportmaschine ist vorläufig allerdings noch eine „Leih“-Maschine vom Flugplatz Lugano. Die Krügers auf ihrem Balkon über den Dächern von Lugano – das war eine erfreuliche Begegnung. Ein Schauspieler, der kein „Star“ ist, der es geschafft hat – und eine Frau, die für ihre kleine Familie lebt. Eine Frau, die ohne „Angabe“ sagt: „Ich kenne die Tücken unseres Berufs. Ich kenne auch das Publikum. Man soll immer mit den Füßen auf dem Teppich bleiben.“ Erschienen im Hamburger Abendblatt am 15. August 1959 sagten kein Wort. Wir sahen uns nur an und strahlten. Nach der Vorstellung horchte ich aufgeregt ins Publikum, ob man wohl von Hardy spreche. Und dann kam der zweite Film. Dreimal lief Hardy vor dem Haus des Produzenten auf und ab. Sollte er annehmen, sollte er nicht? Der Film schien ihm so voller Peinlichkeiten zu sein. Hardy brachte es einfach nicht über sich. Er kam nach Hause und sagte, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt: ,Reni, ich habe eben einen Film abgelehnt.‘ Hardy hat sich bis heute diese saubere Haltung zur Kunst bewahrt.“ Ja, er hat immer etwas riskiert, der „blonde Igelkopp“. Und Renate hat mitgezogen. Es kamen dann die größeren Chancen. Theater in München und Berlin. Er reiste nach Hollywood. Wer erinnert sich nicht der reizenden Verfilmung von „Wolken sind überall“ mit Hardy und Hannerl Matz? „Der Filmausflug nach Hollywood löste sich für uns in eine große Pleite auf. Aber Hardy ließ sich nicht erschüttern. Er geht ganz gerade seinen Weg. Und was er sich in den Kopf setzt, das geschieht auch. Von seiner Gage mietete er unser erstes Haus in Hamburg-Lemsahl. Von der zweiten richtete er es ein. Dann wurde es umgebaut, dann gekauft – und wieder verkauft. Nun bekommen wir in Lugano unser Zuhause.“ bekam er Krach mit dem Direktor. Will Quadflieg war damals unser guter Stern. Ein prächtiger Kollege. Quadflieg spielte an der ,Jungen Bühne‘. Er arrangierte alles. Hardy bekam ein Engagement. Wir konnten heiraten.“ Happy End? Sie waren zwei junge Menschen im Strudel jener unsicheren Nachkriegsjahre. Dem Zufall ausgeliefert. Mal oben, mal unten. „Mein Elternhaus in Bahrenfeld war überfüllt. Vater räumte uns die Bibliothek ein. Nach der Währungsreform ging die ,Junge Bühne‘ pleite. Wir spielten auf Kollektivbasis. Endlich bekam Hardy ernsthaftere Rollen. Gute Rollen. In ,Etienne‘ in ,Glasmenagerie‘. Wir spielten zusammen ,Prozess Mary Dugan‘. Es ging aufwärts.“ Ja, der „Junge mit dem Igelkopp“, wie man Hardy damals in Hamburg scherzhaft nannte, setzte sich durch. Und behielt auch den angeborenen Dickschädel. Da muss man schon eine Frau wie Reni haben, um immer Verständnis zu finden. Einmal backpfeifte er einen arroganten Funkregisseur, weil er einen verdienten alten Schauspieler zur Statisterie degradierte. Ergebnis: Hardy bekam acht Monate Spielverbot im Funk. Ergebnis daheim: Frau Reni fand es wichtiger, dass ihr Hardy Charakter zeigte. Ein anderes Mal sollte er den „Gemüsemarktbericht für die Hausfrau“ sprechen. Er sagte Nein. Nicht, weil ihm die „Rolle“ zu gering erschienen wäre. Aber er hatte gehört, dass man ganz unberechtigt die Gagenpreise drücken wollte. „Und wir hätten damals die paar Mark so dringend gebraucht.“ 1949. Hardys erster Film in Bendestorf. Titel: „Die Nacht vergess ich nie“. Reni vergisst die Premiere nicht. „Hardy hatte für die Hauptrolle 1500 Mark bekommen. Das erschien uns damals irrsinnig viel Geld. Wir gaben es in drei Tagen aus. Ich war gerade schwer krank gewesen. Wir hatten so viele Schulden. Für den Rest kaufte mir Hardy einen Pullover, einen Rock und einen Koffer. Sich selbst leistete er ein Paar Manchesterhosen. Wir waren so restlos glücklich. Ich sehe uns immer noch zwischen der zweiten und der letzten Vorstellung in einem kleinen Café bei den Harvestehuder Lichtspielen sitzen. Wir Renate Densow, selbst eine Schauspielerin, im Jahr 1962 beim Paddeln auf einem Fluss in Afrika. Foto: Schroeder/ face to face 36
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