Berliner Morgenpost Club | Hardy Krüger

HAMBURGER FREUNDSCHAFTEN Mit Hamburg war Hardy Krüger nicht nur durch seine erste Frau Renate Densow, das Schauspielhaus oder den Wohnsitz verbunden. Es waren auch die engen Freundschaften zu zwei besonderen Hamburgern, die ihn immer wieder an die Elbe zogen: die Freundschaften zu dem legendären Buchhändler Felix Jud und die zu Helmut und Loki Schmidt. Nur zwei Wochen, nachdem Hardy Krüger am 2. Oktober 1945 auf einem Kohlenzug in die Hansestadt kam, lernte er Felix Jud kennen – eine schicksalhafte Begegnung. Krüger war gerade 17 Jahre alt und Statist am Deutschen Schauspielhaus. Felix Jud – damals 46 Jahre alt – saß bei den Proben im Parkett. Der Buchhändler, der 1924 seine „Hamburger Bücherstube Felix Jud & Co.“ in den Colonnaden gegründet hatAltkanzler Helmut Schmidt und der legendäre Buchhändler Felix Jud – zwei besondere Menschen, mit denen Hardy Krüger über viele Jahrzehnte eng verbunden war TEXT: BERNDT RÖTTGER Hardy Krüger und Felix Jud in der Hamburger Bücherstube Felix Jud am Neuen Wall. te, liebte das Theater. Felix Jud war es, der Hardy Krüger ermutigte, das zu tun, was er schon immer wollte: Hardy Krüger wollte Geschichtenerzähler sein. Er wollte schreiben. „Felix Jud war so etwas wie ein Vater für mich“, sagte Hardy Krüger später. Er habe ihm das richtige Lesen beigebracht. „Felix Jud hat mir nach dem Krieg die ersten Bücher deutscher Exilautoren zur Lektüre gegeben; seitdem habe ich viele Biografien deutscher Hitlergegner gelesen, darunter die mutigen Pfarrer wie Dietrich Bonhoeffer und Martin Niemöller.“ Die Auswahl der Literatur kam nicht von ungefähr: Felix Jud war erklärter Gegner der Nazis. Die NS-Behörden wollten, dass er seinen jüdisch klingenden Nachnamen ändert. Doch das lehnte er ab. Stattdessen warb er in der Stadt mit dem Slogan „Kauft beim Jud“ und machte seine Buchhandlung zum Treffpunkt verschiedener Regimegegner wie etwa der Weißen Rose Hamburg. Am 18. Dezember 1943 wurde er verhaftet und wenige Tage vor Ende des Krieges zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Hardy Krüger erinnerte sich in einem Interview 2010 an die Begegnung mit Felix Jud: „Ich kam aus dem amerikanischen Kriegsgefangenenlager und er aus dem KZ Neuengamme. Er hat mich unter seine Fittiche genommen, gelesen, was ich geschrieben habe, und gesagt: Begabt bist du schon, aber so geht das noch nicht. Ich sollte schreiben und schreiben und es ihm immer zeigen. Er sagte: Wenn du gut genug bist, dann sage ich es dir. Das hat er leider erst getan, als ich 40 war.“ Damals hatte Hardy Krüger nach dem Kauf der Farm aus dem Film „Hatari!“ seine Erlebnisse in Afrika und beim Aufbau der Farm aufgeschrieben. Felix 40

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