Berliner Morgenpost Club | Hardy Krüger

WELTSTAR, WELTENBUMMLER, WIDERSPRECHER Diese Stimme. Diese Augen. Mehr muss man eigentlich nicht erwähnen, denn schon diese beiden Erkennungsmerkmale machen klar: Es gibt nur einen Hardy Krüger. Ein echter Weltstar aus dem zertrümmerten Nachkriegs-Deutschland, das ging damals tatsächlich, ganz gegen die üblichen Klischees und die massive Ablehnung. Ein guter, aber ein überhaupt nicht handzahmer Bilderbuch-Germane war er für den staunenden Rest der Welt, ein sehr seltenes Exemplar in jener Zeit. Die internationale Karriere begann 1957 mit „Einer kam durch“ auf der Leinwand, als das Kino Träume von anderen Welten und Wirklichkeiten bebilderte und man sich in Gesichter verlieben konnte. Mit John Wayne in Afrika „Hatari!“ gedreht und gebechert. Mit Sean Connery „Das rote Zelt“ gedreht und gebechert. Mit Richard Burton „Die Wildgänse kommen“ gedreht und bestimmt auch gebechert. Mit James Stewart „Der Flug des Phönix“ gedreht und vielleicht auch gebechert, aber zu dieser Frage kamen wir erst gar nicht, weil Krüger ein Anekdotenarchiv im Kopf hat, das locker für mehrere Biografien reicht. In der schönsten Geschichte unseres Plauschs bei einem Glas Wasser kommt Harry Belafonte vor, etwa ein Eine Begegnung mit dem Schauspieler und Autor Hardy Krüger in Hamburg: Wenige Tage vor seinem 85. Geburtstag stellte er sein Projekt gegen rechts vor TEXT: JOACHIM MISCHKE Jahr älter als Krüger, ebenfalls Weltstar mit Ecken und Kanten. Auf das mondän gemeinte „Ich sprach einmal mit Harry Belafonte“ seines Gegenübers entgegnet Krüger grinsend „Ich auch. Wiederholt. Oft auch Politisches, vor allem später.“ Es war einmal, in einem Schuhgeschäft in Beverly Hills. Krüger, gerade mit seiner Frau bei der Anprobe, sah aus dem Fenster und fragte sich verdutzt, „ja, ist das da draußen nicht Harry Belafonte?“ Belafonte sah durch das Schaufenster ins Geschäft und fragte sich offenbar verdutzt, „ja, ist das da nicht Hardy Krüger?“ Er kam rein. „Ich bin Harry Belafonte.“ „Ich weiß.“ „Ich bin Hardy Krüger.“ „Ich weiß.“ Und als das geklärt war, hatte Belafonte dann auch noch ein Paar Schuhe gekauft, weil ihm diese Situation wohl etwas peinlich war. „Daran ist zu erkennen, was für ein Mann er war.“ Auf jeden Fall sei das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft gewesen. Krüger war mal kleiner Statist am Schauspielhaus und wurde vom Hamburger Buchhändler Felix Jud zum professionellen Schreiben motiviert, mittlerweile hat er etliche Bücher und Bestseller im Lebenslauf neben seinen mehr als 70 Filmen. „Stolz? Das Wort trifft nirgendwo auf mich zu“, sagt er. Als erster Deutscher am Broadway ge43

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