Berliner Morgenpost Club | Hardy Krüger

20 Jahre früher, wie der ehemalige Außenminister Joschka Fischer geboren wurde, der Verkörperer einer anderen ebenfalls sehr ungewöhnlichen deutschen Biografie, tangiert Hardy Krüger eher nicht. Ist halt so. Gleicher Jahrgang wie Che Guevara, Andy Warhol, Jeanne Moreau, Hundertwasser und Stockhausen? „Ziemlich bunte Mischung“, kommentiert er diese historische Ansammlung von XL-Charakteren amüsiert, aber „da ich Kommunisten ebenso wenig ausstehen kann wie Nazis, habe ich über Che kaum nachgedacht“. Mit einem Klassiker wie ihm ist man sofort bei den größeren Fragen des Lebens, der Frage nach der Bedeutung des Wortes „Haltung“ beispielsweise. „Bei dem, der ich geworden bin, hat Haltung etwas mit Verantwortung zu tun, dem eigenen Land gegenüber und bei dessen Vertretung gegenüber anderen. Haltung ist für mich ein moralischer Begriff.“ Wie war das 20. Jahrhundert für ihn, als Weltenbummler und als Deutscher, rückblickend betrachtet? „Der Anfang war lebensgefährlich und düster. Was dann für mich daraus wurde, war wunderbar. Das ist ein großes Wort, aber es ist nun einmal so.“ Den vor einigen Wochen lebhaft diskutierten ZDF-Mehrteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ über Jugendliche 8. April 2013 im Hamburger Rathaus (von links): der Journalist Klaus Bednarz (gest. 2015), Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos, gest. 2016), der Schauspieler Hardy Krüger (gest. 2022) und der Regisseur Hark Bohm stellten im Hamburger Rathaus ein Projekt gegen rechts vor, das Hilfe für junge Menschen bieten soll. Foto: Bodo Marks/dpa im Dritten Reich hat Krüger noch nicht gesehen und hat deswegen noch keine Meinung dazu. Dafür ist seine Meinung zu der Behandlung türkischer Medien durch das Gericht beim NSU-Prozess in München umso eindeutiger: „Das ist ein Skandal, was geht in diesen Köpfen vor, ich verstehe es nicht.“ Wo das geklärt ist, ist auch noch Platz für Abseitigeres. Zu welcher Musik tanzt ein Hardy Krüger am liebsten? „Ich bin der elftschlechteste Tänzer Deutschlands.“ Wann hat ihn das letzte Mal ein Groupie angeflirtet? „Da war ich schon weit über 70“, antwortet der spielt. Als deutsche Schauspielgröße ein Offizierspatent der französischen Ehrenlegion – wie außer ihm nur noch Marlene Dietrich – für Verdienste um die deutsch-französische Verständigung und 1959 ein „Bravo“-Otto in Bronze, wofür, weiß er nicht mehr. War wohl nicht so wirklich wichtig. Denn jetzt also ist Hardy Krüger, mal wieder, statt in Kalifornien oder einem Appartement im Berliner Adlon, in Hamburg, wo er noch seine Wohnung an der Außenalster hat, um im Rathaus die Idee eines Projekts gegen rechts vorzustellen. Krüger weiß genau, wovon er spricht und worüber er sich aus dem Stand ausführlich aufregen kann. Seine Eltern waren glühende Hitler-Anhänger, und der kleine Franz Eberhard August wurde von ihnen und den Lehrern dazu erzogen. Er wurde auf eine Kaderschule geschickt, die Ordensburg in Sonthofen, und als Mitwirkender im UFA-Propagandafilm „Junge Adler“ vor die Kamera gestellt und merkte gerade noch rechtzeitig genug, dass seine Idole und ihr Anführer, der „österreichische Anstreicher“, Verbrecher waren. „Vergeben kann ich nicht. Auch die jetzigen Nazis sind meine Todfeinde, ganz egal, was die machen.“ Geboren am 12. April 1928 in Berlin. Dass er am gleichen Datum, wenn auch 44

RkJQdWJsaXNoZXIy MjExNDA4