Berliner Morgenpost Club | Hardy Krüger

DER MOUNT MERU. DIE TIERE. MOMELLA IST EIN JUWEL. Hardy Krüger Krüger, Afrika. Filmfans und Reisefrohe haben dabei sofort die Momella-Farm von Hardy Krüger vor Augen: gelbes Steppengras, Schirmakazien, Hemingways grüne Hügel und fern in der flirrenden Luft hoch über den Wolken der schneebedeckte Gipfel des Kilimandscharo. Schulbankträume! Hardy Krüger hatte sich diesen Traum verwirklicht. Wer Afrika kennt, weiß, wie es ins Blut geht, wie sich, wer diesen Kontinent einmal betreten hat, langsam vollsaugt mit der schwer beschreibbaren Schönheit seiner Landschaft, der Unbeschwertheit seiner Menschen, dem Rhythmus seiner tausend Trommeln. Für Hardy Krüger begann das Abenteuer Afrika im Herbst 1960, als er zusammen mit einem Filmteam der Paramount am Ufer des Lake Manyara und im Amboseli-Nationalpark den Film „Hatari!“ drehte. Es war Liebe auf den ersten Blick, und diese Liebe hat sein Leben von Grund auf verändert. Er war „von der afrikanischen Fliege gestochen“ worden. Bei dieser Infektion besteht nur wenig Hoffnung auf Heilung. Als Hardy bei der Vorstellung seines ersten Buches „Eine Farm in Afrika“ in Hamburg 1970 von Hippos, Hühnern, Rinder- und Schweinezucht schwärmt, blickt er aus blanken Augen, beim Thema Film erlischt das Feuer spürbar. „Eine Farm in Afrika“ ist keine Autobiografie. Obwohl Hardy Krüger auch viel Privates darin erzählt. Sein Hauptanliegen aber war zu informieren, Vorurteile beiseitezuschaffen und den Europäern den Riesen Afrika näherzubringen. Ganz nebenbei kippt er auch noch ein paar Kolonialhelden vom Sockel. Die Zeichnungen in dem Buch stammen übrigens von Francesca, Hardy Krügers Frau, die außerdem Glasfenster und Mosaiken entwirft. Nach ihrem Hamburg-Besuch 1970 kehrten Hardy und Francesca nach Tansania zurück, dort wurden sie bereits sehnlich erwartet von Malaika und Hardy Krüger junior. Außerdem wartete ein Berg Arbeit auf die beiden: Das Momella-Hotel sollte bis Mitte 1971 auf 250 Betten ausgebaut werden. Die Regierung plant einen internationalen Flughafen direkt am Fuße des Kilimandscharo. Wenn die ersten Jumbojets eintreffen und Heere von Touristen in Afrikas Wälder und Savannen speien, muss auch die Filmfarm gerüstet sein. „Afrika ist groß“, sagte Hardy, „es wird es verkraften.“ Die Anekdote über die erste Begegnung von Hardy Krüger und John Wayne beschrieb Eckhard Fuhr 2008 in der „Berliner Morgenpost“ folgendermaßen: „Hardy Krüger traf ihn 1961 auf der Momella-Farm in Tanganjika am Fuße des Kilimandscharo. Howard Hawks hatte die beiden für seinen Tierfängerfilm ,Hatari!‘ zusammengespannt. Wayne spielte den Haudegen Sean Mercer, Krüger den ehemaligen deutschen Rennfahrer Kurt Müller. So heißen Deutsche nun einmal in amerikanischen Filmen. Leider ist das in Filmkreisen legendäre Saufduell zwischen Wayne und Krüger nicht in den Film eingegangen. Es hätte gut hineingepasst. Man kann die Szene, wie der Deutsche den Amerikaner unter den Tisch trinkt, in Krügers Erinnerungsbuch ,Wanderjahre‘ nachlesen. Krüger hatte seine Trinkfestigkeit durch die Einnahme beträchtlicher Mengen Speiseöls optimiert – ein alter Trick, den weiße Siedler in Afrika oft anwandten, wenn sie Afrikaner beim Landkauf übers Ohr hauen wollten.“ Momella gefiel dem Deutschen so gut, dass er die Farm kaufte. Die grünen Hügel Afrikas wurden ihm für Jahre zur Heimat. Dort auch muss es gewesen sein, dass er sich „Papa“ Hemingway Schritt für Schritt anverwandelte: der Bart, die kurzen Sätze, der Whiskey. Die Geschichte der „Hatari!“-Farm aber reicht viel weiter in die Vergangenheit zurück als in die Zeit von John Wayne und Hardy Krüger: 1907 reiste eine 23 Jahre alte deutsche Gutsbesitzertochter aus Schlesien, auf der Suche nach Farmland, durch das damalige Deutsch-Ostafrika. Am Fuße des Mount Meru wurden Margarete und Ulrich Trappe fündig. Die Trappes bauten die Momella-Farm bis zum Ersten Weltkrieg zu einer 16.000 Hektar großen Rinderfarm aus. Neben dem Aufbau der Farm war Margarete Trappe auch als Jägerin und Elsa Martinelli und Hardy Krüger am Rande der Dreharbeiten zu „Hatari!“ Elsa Martinelli spielte die Fotografin Dallas im Film. Foto: picture alliance / Everett Collection Die undatierte Aufnahme zeigt Hardy Krüger mit einem Massai. 48

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