Berliner Morgenpost Club | Hardy Krüger

Aus der 23. Hoteletage schauen wir auf die abendliche Stadt. Die Scheinwerferketten gleichen Glühwürmchenschwärmen. „Warum ich nach Hamburg will?“, fragt Hardy Krüger und antwortet wie selbstverständlich: „Ich habe diese Stadt einfach gern. Hier begann ja auch meine Karriere.“ Die Nähe von Travemünde ist auch verlockend. Hier hat Krüger mit einem Freund ein Segelboot. Natürlich wird Hardy Krüger nicht als Hanseat Wurzeln schlagen. Sitzfleisch ist nicht seine Eigenschaft. „Ich habe mein Leben völlig umgekrempelt. Früher sollte alles mein Eigen sein, Häuser, Flugzeuge. Diese Schnörkel sind ab. Bei meiner Lebensweise sind Häuser ja doch nur für die da, die auf sie aufpassen müssen.“ Hardy Krügers Hauptwohnsitz ist Los Angeles. Dort hat er ein ApparteEine Begegnung 1978: Hardy Krüger, in der ganzen Welt zu Hause, will künftig ein Bein in Hamburg haben. Er kam auf Wohnungssuche. Ein Appartement an der Alster will er mit seiner Frau Anita beziehen TEXT: EBERHARD VON WIESE ment, ein Auto steht auf dem Flugplatz bereit. Ein zweites Appartement hatte er bisher in München, dafür sucht er nun eins in Hamburg. Krüger hat sich auch von seiner Farm in Afrika getrennt, die ihm sehr ans Herz gewachsen war, die zum Thema seines ersten Buches wurde. Aber die Verhältnisse sind ihm zu unruhig geworden. Ob er einmal zurückkehrt? Er will lieber erst einmal warten, „bis der Sturm aufhört“. Gestern lief in Hamburg Hardy Krügers jüngster amerikanischer Film „Wildgänse“ an. Eine knallharte Story an einem Unruheherd in Afrika. Hardy Krüger als Kinodraufgänger, das begann vor gut zwanzig Jahren mit dem deutschen Film „Einer kommt durch“, die abenteuerliche Flucht des deutschen Kriegspiloten Franz von Werra. Nach zwanzig Filmen kam der Absprung ins internationale Geschäft. „Ich wollte die Qualität des Theaters auf den deutschen Film übertragen. Das ging schief. Da suchte ich mir einen neuen Acker.“ Der Titel „Einer kam durch“ schien ihm recht symbolisch für sich selber. Er gehört zu dem kleinen Grüpplein deutscher Schauspieler, die im Ausland an der Spitze liegen. In England, Frankreich, Israel – und vor allem natürlich in Amerika ist sein Filmzuhause. „Ich habe keinen amerikanischen Pass, aber die Amerikaner rechnen mich schon als Landsmann.“ Eben 17 Jahre jung, schlug sich der Berliner Hardy Krüger nach Kriegsende aus Kriegsgefangenschaft nach Hamburg durch. Im Theater am Besenbinderhof hatte das Deutsche Schauspielhaus sein Ausweichquartier eröffnet. „Ich bewarb mich als Statist. Das war mein künstlerischer Anfang.“ Man spielte in der Käutner-Inszenierung „Der Widerspenstigen Zähmung“ mit Gustav Knuth und Hilde Krahl. „Geld für Schauspielunterricht hatte ich natürlich nicht. Ich ging nach Hannover und schaute dort den Darstellern ihre Rollen ab.“ Hardy Krüger war ein guter „Beobachter“. Hamburgs „Junge Bühne“ in der Emilie-Wüstenfeld-Schule an der Bundesstraße, wo Will Quadflieg als Star brillierte, erlebte seine ersten Erfolge. Nach einer der erfolgreichsten Premieren, dem „Prozess Mary Dugan“, rief ihn zum ersten Mal das Publikum an die Rampe. „Ich war selber darüber erstaunt. Ich passte doch gar nicht in die Schablone der gelernten Schauspieler. Aber dem Publikum gefiel wohl meine jugendliche Unbekümmertheit.“ Nicht nur hier in dem kleinen Behelfstheater an der Bundesstraße – später auch im Thalia Theater. Seinen „zweiten Beruf“, wie Hardy Krüger sagt, das Bücherschreiben, nimmt er sehr ernst. Nach „Eine Farm in Afrika“, einem Kinderbuch „Sawimbulu“ mit mystischen afrikanischen Geschichten sowie nach dem ersten Roman „Wer stehend stirbt, lebt länger“ (gemeint ist das Sterben des weißen Mannes in Afrika) und nun nach dem „ICH HABE MEIN LEBEN VÖLLIG UMGEKREMPELT“ 52

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