Literatur für Sie die Fortsetzung des Fernsehens mit anderen Mitteln ? Nein, eigentlich nicht. Der „Weltenbummler“ hat diese laxe Sprache, weil ich mir immer vorstelle, dass ich mit einigen Freunden bei Bier oder Wein zusammensitze und ihnen etwas von meiner letzten Reise erzähle. Diese direkte Ansprache des Publikums scheint auch den Erfolg der Sendung auszumachen. Die Laxheit der Sprache in meinen Büchern würde ich eigentlich nicht so nennen. Wie denn ? Ich will mit Dialekten Lokalkolorit erzeugen. In der angelsächsischen Literatur ist das durchaus üblich. Im Deutschen ist das immer etwas schwer, weil leicht eine Karikatur daraus wird. Wenn ich Hochdeutsch schreibe, bemühe ich mich um kurze Sätze, wobei jeder Satz etwas aussagen muss, was die Geschichte vorantreibt. Fällt Ihnen Schreiben leicht? Ich schreibe gern, aber es fällt mir überhaupt nicht leicht. Ich stecke zwar voller Geschichten, aber sich hinzusetzen und etwas aufzuschreiben ist harte Arbeit. Haben Sie bestimmte literarische Vorbilder? Nicht so, dass ich versuchen würde, sie nachzumachen. Es gibt große Dichter, mit denen ich Schwierigkeiten habe, die ich zwar verstehe, die mich aber langweilen. Ich habe zum Beispiel keine Beziehung zu Thomas Mann. Als ich schon als junger Mann begonnen habe, Faulkner, Salinger, Hemingway, Tennessee Williams zu lesen, habe ich mich von deren Sprache viel mehr angesprochen gefühlt. Der Schauplatz der Rahmenhandlung Ihres neuen Buches, die Virgin Islands, ist ebenso exotisch wie die Schauplätze Ihrer Fernsehserie. Kommen Sie ohne Exotik nicht aus? Seit 1956 halte ich mich hauptsächüch im Ausland auf. Und ich kenne die Karibik besser als die Nordsee. Ich fühle mich in vielen Ecken der Welt zu Hause, und ich lasse meine Geschichten in Gegenden spielen, die ich sehr genau kenne. Im Grunde könnte aber „Frühstück mit Theodore“ überall spielen! Das Thema Ihres Buches, die Suche eines Mannes nach einem Leben weit weg von alltäglichen Zwängen, gerät doch gelegentlich in die Nähe des Klischees vom ewig einsamen Mann ... Es geht mir um einsame Menschen. Die Einsamkeit des Menschen ist ja nun einmal eine Tatsache ... ... der Ihr Held, der im Buch Albert Lutter heißt, zu entgehen sucht, indem er aussteigt, aus Hamburg, aus beruflichen und persönlichen Zwängen und in die Karibik flieht ... Er steigt überhaupt nicht aus, er verändert den Ort, den Beruf, er verändert alles. Er sucht nach etwas, von dem er hinterher feststellt, dass er es genauso gut an seinem ursprünglichen Ort hätte finden können. Er sucht etwas Neues und weiß gar nicht, dass er eigentlich nur sich selber finden muss. Albert verlässt Hamburg, weil er das Leben hier nicht mehr erträgt, und kehrt später nur kurzzeitig zurück. Geht es Ihnen ähnlich? Wenn Sie da eine autobiografische Linie suchen, sind Sie auf dem Holzweg. Ich bin immer in Hamburg ansässig geblieben, auch, als ich in Afrika gelebt habe, und auch, obwohl ich heute in Kalifornien lebe ... Das ist aber doch wohl eher theoretisch. Sie sind doch höchst selten hier. Ja, ich bin relativ selten hier, aber aus anderen Gründen. Ich bin hier unzufrieden gewesen und bin nach England gegangen. Ich hatte hier schon einen Namen und war recht erfolgreich im Film und im Theater ... Und waren dennoch nicht glücklich? Ja, weil mir die Qualität der Filme, die hier gemacht wurden, nicht gefiel. Ich hätte auch nach Babelsberg gehen können, wo damals manchmal die besseren Filme gemacht wurden, nur konnte ich mich mit dem DDR-System nicht abfinden. Ich kam ja gerade aus der Nazizeit und wollte nicht in eine andere Diktatur. Und in London fingen Sie ganz von vorn an? Ja, in London und später in Hollywood hat mich zunächst kein Mensch gekannt. Ich war der neue junge Mann und habe mir eine Karriere im Ausland aufgebaut. Und damit hat mein Glück angefangen. Ich habe meine Insel woanders gefunden, habe aber meiner „Heimatinsel“ deshalb nie den Rücken gekehrt. Ich habe auch nie meine Nationalität aufgegeben und bin immer wieder gern nach Deutschland zurückgekehrt. Dass ich hier aber nicht arbeiten wollte, steht auf einem anderen Blatt. Das hatte eben berufliche Gründe, mit Land und Leuten habe ich mich jedoch immer wohlgefühlt. Kehren wir noch einmal zu Ihrem Roman zurück. Gleich zu Beginn hat Albert Lutter zweimal getötet, und auch im Rückblick spielt das Töten eine wesentliche Rolle. Was fasziniert Sie daran? Das Töten grundsätzlich. Und zwar nicht theoretisch. Ich gehöre zu einer Generation, die getötet hat. Ich war Soldat im Zweiten Weltkrieg, viel zu jung. Ich habe zwar niemanden hinterrücks ermordet, aber auf jemanden geschossen, der gleichzeitig auf mich geschossen hat. Doch es war zu früh in meinem Leben, und es hätte überhaupt nicht stattfinden dürfen. Darüber sind Sie nie hinweggekommen? Es ist eine Situation, die mich mein ganzes Leben nicht verlassen hat. Es hat Narben hinterlassen. Und es hat dazu geführt, dass ich es oft zum Thema meiner Geschichten gemacht habe. Bei „Frühstück mit Theodore“ brauchte ich ein hässliches Crescendo, um die Geschichte dann behutsam werden lassen zu können. Das Erlebnis des Tötens ist für Albert mit seinem Schlüsselerlebnis, dem Ungarnaufstand von 1956, verbunden ... Ich hätte damals fast die ganze Bude hier bei mir in Hamburg zusammengeschlagen aus Wut und Hilflosigkeit. Man konnte diesen Menschen nicht helfen. Denn mir war klar geworden, dass der Westen bei den Ungarn den Eindruck erweckt hatte: „Wenn ihr euch gegen diesen bösen, bösen Kommunismus er58
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