auch, wie Hans Söhnker und Albert Florath mir als 15-Jährigem, der seinen ersten Ufa-Film drehte, gesagt haben: Wenn doch bloß damals die Franzosen und die Engländer oder der Völkerbund bei uns einmarschiert wären! Nur: Wir Deutsche, die so etwas schon mal initiiert haben, dürfen uns an einem Angriffskrieg nicht beteiligen. Nur wenn die Völkergemeinschaft Ja sagt, wäre es ein globales Bedürfnis. Wie empfinden Sie es, dass die große Mehrheit der Deutschen einen Krieg ablehnt? Das tut mir gut. Ich bin froh, wie sich dieses Land entwickelt hat. Was müsste eigentlich passieren, damit Sie wieder in einem Film mitspielen? Ich sage es mit Duvivier: Wenn du einen großen Film machen willst, brauchst du drei Dinge: ein gutes Drehbuch, ein gutes Drehbuch und ein gutes Drehbuch. Und auf alle drei warte ich. Der deutsche Boulevard würde Sie gern mit Ihrem Sohn Hardy jr. zusammen sehen. Wir sagen immer: gern, wenn ihr mit einem guten Stoff kommt! Ich habe ihn neulich im Theater gesehen, in dem Broadway-Stück „Schmetterlinge sind frei“ – er ist fabelhaft! Am Schluss war ich richtig glücklich. Glück – was bedeutet das überhaupt für Sie? Ich glaube nicht an Glück im landläufigen Sinne. Ein Maulwurf braucht Glück, „ICH GLAUBE NICHT AN GLÜCK“ Hardy Krüger und Islam. Mir gefallen Hinduismus und Buddhismus recht gut. In den Alpen hat mich mal ein Priester gefragt, was denn nun mit mir und Gott sei, an irgendwas müsse ich doch glauben! Da habe ich ihn in meine Cessna gesetzt und bin zum Gotthard raufgeflogen. Es war ein wunderschöner Wintertag, blauer Himmel, verschneite Berge, wie aus dem Bilderbuch. Ich bin ins Rhonetal runtergeflogen und habe die Kraft rausgenommen, dass die Nudel sich nur noch so blubb, blubb, blubb rumgedreht hat, damit wir still ins Tal gleiten. Wir flogen in den Schatten und wieder ins Licht. Am Boden sagte ich zu ihm: Jetzt haben Sie meinen Gott kennengelernt! Sie haben über den Anfang Ihrer Karriere gesagt: Es war nicht immer leicht, Deutscher zu sein. Hat sich das geändert? Sehr positiv! In erster Linie, weil wir Deutsche uns seit 1949 gut benommen haben – im Gegensatz zum Beispiel zu Franzosen oder Engländern. Und das ist anerkannt worden. Aber die Klischees sitzen fest. Wenn irgendwo Hakenkreuze geschmiert werden, ist dieses Deutschland plötzlich wieder gefährlich. So schnell ist nicht vergessen, was wir zweimal im letzten Jahrhundert angestellt haben. Ihre Gedanken zum Irak-Krieg? Was da im Weißen Haus geschieht, macht mich besorgt. Ich muss wohl nicht betonen, wie sehr ich die amerikanische Politik den Arabern gegenüber verabscheue. Aber ich erinnere mich 62
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