Berliner Morgenpost Club | Hardy Krüger

Kommen wir zu einem ganz anderen Thema. Sie kritisieren inzwischen deutlich die Distanz, die hierzulande offenkundig zwischen der Politik und der Kultur zu beobachten ist. Ich verstehe es wirklich nicht. Wir haben ja eine Staatsministerin, die schon in Hamburg ordentliche Arbeit geleistet hat. Aber die Franzosen hatten einen André Malraux als Kultusminister, wir hingegen haben nicht mal ein Ministerium. Die Franzosen geben unvergleichlich viel mehr aus für die Kultur und die Erhaltung ihres Erbes als wir. Aber für eine Nation ist Kultur fast so wichtig wie das tägliche Brot oder die Familie. Und wenn gerade wieder gespart wird ... ... wird immer angesetzt an zwei Positionen, die tabu sein müssten: Kultur und Bildung. Da wird zuerst gestrichen, egal, ob die Regierung schwarz, rot, grün oder zebragestreift ist. Verstehen Sie Kollegen, die sich scheuen, öffentlich Stellung zu beziehen? Das ist ein Fehler. Natürlich kostet jede Stellungnahme die Sympathie eines Teils des Publikums. Wenn ich sage, dass es besser ist, wenn Hamburg die Olympischen Spiele nicht bekommt, werden viele zürnen: „Was ist denn mit unserem Hardy los?“ Oder wenn andere etwas gegen die Gewerkschaften sagen, gegen Herrn Schill oder für Herrn Schill. Aber wir sind doch nicht in erster Linie Schauspieler, sondern Menschen, Bürger eines Landes. Wir müssen Anteil nehmen! Sie erwähnten Olympia. Halten Sie Hamburg etwa nicht für olympiareif? Krüger: Doch, auf jeden Fall. Ich liebe diese Stadt, wir haben hier seit 27 Jahren eine Wohnung. Aber auch wenn Ihre Leser das nicht gern hören: Das Leben war in allen Olympiastädten, die ich kenne, ob München, Sydney oder Los Angeles, vorher schöner. Hamburg strahlt Ruhe aus. Das können Sie vergessen! Es wird nie wieder dieselbe Stadt sein. Erschienen im Hamburger Abendblatt am 5. April 2003 wenn er nach oben kommt, dass der Gärtner nicht gerade mit der Schaufel danebensteht. Für den Rest ist man selbst verantwortlich. Also nicht warten: Jetzt komm mal? Ich war damals in Paris vergebens auf Arbeitssuche, bin nach England gegangen und habe ein halbes Jahr lang alle Klinken geputzt. Genau da, als ich dachte, das wird wohl nichts, kam der Regisseur Roy Baker mit „The One that got away“ („Einer kam durch“). Jetzt können Sie sagen: Das war Glück. Aber ich hatte ein halbes Jahr dafür gearbeitet! Hardy Krüger im Februar 2003 in einem Hamburger Hotel, zwei Monate vor seinem 75. Geburtstag. Foto: dpa/picture alliance 63

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