setzung zwischen Jimmy Stewart und mir. Bob Aldrich wollte mich für die Rolle haben und hat akzeptiert, dass ich einen Deutschen spiele, obwohl die Rolle im Roman ein Engländer ist. Der ständige Kampf der Alten mit der Neuen Welt war der Reiz dieses Films. Der Sohn von Aldrich ist übrigens auch einer der Executive Producer des Remakes. Wie wichtig war der Film damals für Sie? Von allergrößter Bedeutung. Aldrich hatte mir vorher schon zwei Rollen in Kriegsfilmen angeboten, die ich nicht spielen wollte. Ich dachte schon, er sei beleidigt, aber dann kam er wieder und sagte: „Diesmal spielst du, das weiß ich.“ Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt, die bis zu seinem Tod 1983 gehalten hat. Er war seinerzeit einer der besten Regisseure in Hollywood, das Drehbuch war hervorragend, sodass ich natürlich ,,Ja, ja, ja“ gesagt und gehofft habe, dass Bob es sich nicht noch einmal anders überlegt. Als sich übrigens in Hollywood herumsprach, wer da alles mitspielt, hieß es, das ist ja die Olympiade der Schauspieler, und es wurden Wetten darauf abgeschlossen, wann wir uns gegenseitig umbringen. Und wie war es tatsächlich? Es war die beste Erfahrung, die ich je mit großen Stars gemacht habe. Jeder hat dem anderen geholfen. Es war eine Olympiade der Gemeinsamkeiten. Wir haben uns alle miteinander befreundet, sogar Jimmy Stewart, der sonst ein sehr zurückhaltender Mensch war. Nach wenigen Tagen fragte er, ob er in unseren Club mit aufgenommen werden könne. Wir haben jeden Tag hart gearbeitet und in unserer Freizeit Blödsinn gemacht wie die Lausejungs. Dicky Attenborough, bei dem schon abzusehen war, dass er selbst ein großer Regisseur werden würde, hat sich in einer Szene mit mir so oft versprochen, bis ich zuletzt aus lauter Wut die Szene so intensiv gespielt habe, wie er sie haben wollte. Die Schauspieler, die da drehten, waren ein reines Männerteam. Und dann wurde Ihnen plötzlich eine Reihe schöner Frauen „zugeführt“: Pier Angeli, Anouk Aimée, Sonja Ziemann, Elsa Cardenas. War das so dringend nötig? Ich glaube, das war ein Werbegag. Sie brauchten uns keine Frauen in die Wüste zu schicken. Jeder von uns war attraktiv genug, um seine eigenen Damen in Hollywood zu finden, wenn man sie haben wollte. Wie wichtig war es 20 Jahre nach Kriegsende noch, dass ein Deutscher eine der Hauptrollen in einem US-Film spielte? Das hatte ich da schon alles hinter mir. Ich war der erste deutsche Schauspieler in den USA, Großbritannien, Israel und der UdSSR nach dem Krieg. Am schwierigsten hatte ich es in England, wo ich 1957 in „Einer kam durch“ den Jagdflieger Franz von Werra gespielt habe, der abgeschossen wurde und mit seinem britischen Vernehmungsoffizier eine Wette abgeschlossen hatte, dass er aus dem Lager heraus und nach Deutschland zurückkommt. Das haben sie dort nicht so gern gehabt. Bei der ersten Pressekonferenz meines Lebens habe ich mir dann noch ein verbales Duell mit dem Kolumnisten Tom Wiseman geliefert. Ich habe das also immer voll ans Kinn gekriegt. Als der Film herauskam, war ich aber über Nacht ein Name in England, und alles war vergeben und vergessen. In Frankreich war es zuerst auch schwer. Dort bin ich aber 2001 als einziger deutscher Schauspieler neben Marlene Dietrich in die Französische Ehrenlegion aufgenommen worden. Hat Sie das gewundert? Als ich das Schreiben bekam, dachte ich zuerst, das wäre einer der Scherze von Peter Ustinov, für die er bei seinen Kollegen bekannt war. Haben Sie eigentlich selbst schon geflogen, als „Der Flug des Phönix“ gedreht wurde? Seit meinem 13. Lebensjahr war ich Segelflieger. Den Pilotenschein habe ich ungefähr zehn Jahre vor dem Film gemacht. Jimmy Stewart war ja auch ein begeisterter Pilot. Er hat sich als Erster unter den großen Hollywoodstars freiwillig zum Zweiten Weltkrieg gemeldet. Er hat dann als Bomberpilot auch Angriffe auf Berlin geflogen und wahrscheinlich dafür gesorgt, dass auch ich dort eine Bombe aufs Dach bekommen habe. Wir haben darüber lange geredet. Es geht in dem Film um einen Flugzeugabsturz, aber die Dreharbeiten verliefen tragisch, weil der Pilot Paul Mantz mit seinem selbst gebauten Flugzeug tatsächlich abstürzte und tödlich verunglückte. Wie haben Sie das erlebt? Paul Mantz war eine Art amerikanischer Ernst Udet. Ich habe damals Riesenglück gehabt, denn eigentlich hätte ich selbst mit an Bord sein sollen. Mich haben sie das aber nicht fliegen lassen, sondern an meiner Stelle einen Stuntman organisiert, der den Absturz auch überlebt hat. Hat Ihnen das deutsche Kino in der damaligen Zeit eigentlich gefallen? Ich hatte mich mit den deutschen Produzenten Mitte der 50er-Jahre angelegt, weil ich bessere Projekte haben wollte. Da bin ich denen mal, wie die Berliner sagen, auf die Buletten gegangen. Deshalb bin ich ja nach England und Frankreich gegangen, weil abzusehen war, dass da die besseren Filme gedreht werden würden. Mögen Sie die deutschen Filme, die heute im Kino laufen? Als ich zuletzt in Deutschland war, bin ich nicht ins Kino gekommen, weil ich auf Lesetour war. Hier in den USA laufen die meisten der neuen deutschen Filme nicht, mit Ausnahme von „Der Untergang“. Den konnte ich nicht sehen, und eigentlich wollte ich Hitler auch gar nicht so gerne wiedersehen. Aber er soll ja sehr gut sein, also werde ich ihn mir wohl noch angucken. 69
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