Berliner Morgenpost Club | Hardy Krüger

„Heimat ist für mich Berlin“ Hardy Krüger ging früh nach Amerika, um in Hollywood Karriere zu machen. Zu seinen großen Filmerfolgen gehören „Hatari!“ an der Seite von John Wayne oder „Die Wildgänse kommen“ neben Richard Burton. Als „Weltenbummler“ begeisterte Krüger Ende der 80er-Jahre das ARD-Publikum mit Reisereportagen. 2010 spielt er erstmals nach 24 Jahren wieder eine Hauptrolle, in dem ZDF-Film „Das Familiengeheimnis“. Bis heute hat der Schauspieler und Autor eine Wohnung in Kalifornien, wohin er sich mit seiner amerikanischen Frau Anita vor allem zum Schreiben zurückzieht. Zudem hat Hardy Krüger noch ein Zuhause in Hamburg und in Berlin. Im Hotel Adlon empfängt er zu einem Interview in einer Suite, eine Etage über seinem Privatappartement. Herr Krüger, geht es Ihnen im Hotel Adlon nicht ein wenig zu turbulent zu? Hardy Krüger: Nein, wir sind hier daran gewöhnt, dass mal der Dalai Lama da ist oder ein auswärtiger Gast der hohen Politik. Das spüren wir gar nicht so sehr. Ich fahre zum Beispiel immer an der Rückseite des Hotels in die Tiefgarage, wobei unser Wagen dieses Mal wegen eines prominenten Hotelgastes untersucht wurde. Dem Sicherheitsbeamten kam das voll gepackte Auto wohl etwas komisch vor, und er fragte, ob wir aus dem Auto leben würden. Wenn wir auf Tournee sind, haben wir immer sehr viel Gepäck dabei. Sie sind mit Ihrem neuen Roman „Tango africano“ gerade auf Lesereise. Fahren Sie noch selbst von Stadt zu Stadt? Ja, zusammen mit meiner Frau. Wir mögen den großen Tross nicht, sind also alleine unterwegs und wechseln uns beim Fahren ab. Neuerdings gibt es in den Autos die Navigationsgeräte, damit ist das überhaupt kein Problem mehr. Wenn man immer einen Fahrer dabeihat, dann muss ich den, wenn der zu Hause Ärger hat, wieder aufrichten – das brauche ich nicht. Ist Berlin denn wieder ein Stück Heimat für Sie? Heimat ist für mich Berlin. Ich bin in Wedding geboren, und als mein Vater in der großen Bankenkrise arbeitslos wurde, sind wir an den östlichen Rand der Stadt gezogen – nach Biesdorf, südlich von Marzahn. In Deutschland glauben viele, dass ich später weggegangen bin, doch ich bin nie weg gewesen – nur filmisch gesehen oder um am Broadway Theater zu spielen. Bei aller Heimatliebe, so sind Sie doch früh ins Ausland gegangen. Weil die Angebote in Deutschland immer seichter geworden waren. Aus meinem Verständnis von Berlin und Heimat habe ich nie große Worte gemacht, das ist etwas, das sitzt in mir drin. Doch ich habe aus Verbundenheit heraus einen Film hier in Berlin coproduziert und darin mitgespielt: „Zwei unter Millionen“. Eine Ost-West-Liebesgeschichte. Ich war schon ein Star in England und Frankreich und wollte meiner Stadt, bevor ich nach Hollywood gehe, eine Liebeserklärung abgeben. Das haben mir die Kommunistenverbrecher versaut, denn mitten während der Dreharbeiten kam der Mauerbau. Wollten Sie keinen weiteren Anlauf unternehmen? Habe ich ja. Vor fünf Jahren habe ich „Zarte Blume Hoffnung – Liebesbriefe aus einer geteilten Stadt“ als Briefroman und als Theaterstück veröffentlicht. Kein Theater in Berlin hat, zu meiner Enttäuschung, das Stück je angenommen. Ich habe es 44-mal mit Judy Winter im Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg gespielt. Erschienen in der „Berliner Morgenpost“ am 26. Dezember 2010 2010: Nach 24 Jahren spielt Hardy Krüger wieder eine Hauptrolle in einem Fernsehfilm. Für „Das Familiengeheimnis“ stand der 82-Jährige unter anderem in seiner Geburtsstadt Berlin vor der Kamera. Warum er die Stadt nie wirklich verlassen hat. TEXT: RAINER VOGT 71

RkJQdWJsaXNoZXIy MjExNDA4