„ZU HAUSE IST DA, WO MAN ES SICH EINRICHTET“ Hardy Krüger über Hamburg, Berlin, Kalifornien und Afrika war. Denn als ich das in einem Zelt im afrikanischen Busch geschrieben habe, habe ich erst verstanden, was Schreiben eigentlich ist. In dem Buch „Tango africano“ geht es um die Afrikanerin Annika, die eine späte Liebe auf den ersten Blick erfährt. Gibt es Liebe auf den ersten Blick wirklich? Ja, mir ist es mit meiner Frau Anita so widerfahren. Als wir uns vor 36 Jahren getroffen haben, haben wir beide gewusst: Das ist es. Seitdem sind wir unzertrennlich. Das Buch ist also autobiografisch? Nein. Ich unterhalte mich nach meinen Lesungen beim Signieren der Bücher oft mit dem Publikum, weil ich neugierig auf Menschen bin. Dabei habe ich immer wieder festgestellt, dass vor allem Frauen der Meinung waren, die wahre Liebe sei an ihnen vorübergegangen. Da ich an die Liebe glaube und Anita selbst sehr spät kennengelernt habe, habe ich diesen Roman geschrieben. Er ist aber nicht autobiografisch, bis auf den Teil, in dem Karl mit einem einmotorigen Flugzeug von Deutschland aus zum Kilimandscharo fliegt. Diesen Flug haben Sie selbst gemacht? Genau. Ich hatte mir damals mit einem leider viel zu früh verstorbenen Freund, Dieter Seelmann, eine Cessna gekauft, und zusammen haben wir viele Flüge gemacht, von Hamburg nach Israel oder von Rio de Janeiro zum Rio Xingu, wo die Indios noch nackt und unbekümmert und freundlich wie die Steinzeitmenschen gelebt haben. Natürlich hätte ich Karl auch in eine Lufthansamaschine setzen können, um zu seiner Annika zu kommen, aber das wäre langweilig gewesen. Und da ich diesen Flug mal gemacht habe, konnte ich davon berichten, wie es ist, wenn man dabei fast sein Leben verliert. Alles, was ich beschreibe, ist uns wirklich passiert. Können Sie beschreiben, was die Faszination am Fliegen für Sie ausmacht? Ich habe schon mit sieben oder acht Jahren angefangen, Flugzeuge zu beobachten. Andere wollten Lokomotivführer oder Feuerwehrmann werden, ich wollte Pilot werden. Ich bin aber ein Romantiker unter den Piloten, denn ich wollte nie Düsenfliegen oder so, sondern mit einem langsamen Flugzeug fliegen, das Fenster aufmachen und in Ruhe auf die Erde gucken. Mit Ihrer Frau sind Sie für „Weltenbummler“ zehn Jahre um die Welt gereist, dafür haben Sie das Ende Ihrer Hollywoodkarriere in Kauf genommen. War Ihnen immer klar, dass es das wert sein würde? Ja. Aber das hat auch damit zu tun, dass ich immer etwas machen möchte, was ich noch nicht gemacht habe. Es ist nicht so, dass ich mich leicht langweile, aber ich wollte immer zu neuen Ufern. Außerdem war ich nach den ersten Folgen von „Weltenbummler“ so sehr in diese Arbeit verliebt, Anita und ich haben auf der Welt von den Menschen anderer Religionen, anderer Hautfarben und anderer historischer Hintergründe so viel gelernt, dass ich einfach nicht aufhören konnte. Ein Kontinent, der in Ihrem Leben immer eine große Rolle gespielt hat, ist Afrika. Können Sie sich noch an Ihren ersten Besuch dort erinnern? Und wie ich mich erinnern kann. Das war für den Film „Hatari!“, den wir damals am Kilimandscharo drehten. Außerhalb von Nairobi, auf einer Straße zum Kilimandscharo, ist mir der Atem weggeblieben vor lauter Schönheit dieser Landschaft. Eine rote Lehmstraße unter einem blauen Himmel, mit weißen Wolken, grünen Hügel und Giraffen, die über die Straße liefen. Das hat sich bei mir tief in die Seele eingegraben. Eine so große Liebe habe ich zu einem Land vorher nie empfunden. Deswegen habe ich die Farm, auf der wir den Film drehten, auch gekauft und bin 20 Jahre lang da geblieben. 74
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