Berliner Morgenpost Club | Hardy Krüger

den KZ Dachau und Bergen-Belsen. Er wusste, dass der Krieg verloren ist. Söhnker habe sehr geschickt angefangen zu sagen: „Bleib übrig!“ Kindheitserinnerungen prägen einen Menschen eben – hier als Extrembeispiel. Er wurde von Hans Söhnker „umerzogen“. Der Schauspieler drehte damals, 1943, „Große Freiheit Nr. 7“, Krüger in einer Nebenhalle den NS-Film „Junge Adler“, für den er während seiner Schulzeit ausgewählt wurde. „Nach drei Monaten war ich so weit, mir eine Frage zu stellen“, erzählt Krüger. „Wem glaube ich: meinen Eltern, den Hitler-Jugend-Führern, den Erziehern in Sonthofen – oder glaube ich Söhnker? Er hatte etwas, das ich von meinem Vater immer gern gehabt hätte.“ Mit Söhnker, der Juden versteckte und ihnen zur Flucht in die Schweiz verhalf, konnte Krüger immer auch lachen, mit seinem Vater weniger. Hans Söhnker war für Hardy Krüger in doppelter Hinsicht ein Aufklärer: in Sachen Mädchen und in Sachen Politik. Das prägendste Erlebnis? „Ich wusste: Der Krieg ist verloren. Menschen werden, nur weil sie Juden sind, umgebracht.“ Hardy Krüger war zum Nazi-Gegner geworden. „All diese Dinge sind langsam mit mir passiert. Aber im Gegensatz zu Günter Grass sind sie passiert. Grass hatte keinen Söhnker in seinem Leben. Warum er so lange seine SS-Vergangenheit verschwiegen hat, das habe ich nie verstanden. Er hatte sich doch nicht schuldig gemacht, nehme ich an“, sagt Krüger, der den Literatur-Nobelpreisträger nie persönlich gesprochen hat. „Aber ich habe seine Bücher gelesen und schätze ihn sehr als Schriftsteller.“ Ob Hardy Krüger immer ein politischer Mensch war? „Nein. Weil ich Erhebt die Hand und zeigt gesellschaftliche Probleme auf: Hardy Krüger engagierte sich viele Jahrzehnte gegen Rechtsradikalismus. Foto: Jochen Lübke/dpa 78

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