Memoiren hat er nicht geschrieben, sagt Hardy Krüger, und er glaubt auch nicht, dass er jemals eine Autobiografie schreiben wird. Doch eine „ganz persönliche Berichterstattung“ sei das neue Buch „Junge Unrast“ durchaus, und der Bertelsmann Verlag meint gar, der 574-Seiten-Band trage „stark autobiografische Züge“. Unter dem Buchtitel steht zwar „Roman“, aber dass der Held August Unrast der Schauspieler Hardy Krüger ist, also der Autor, dafür gibt der Text ein Indiz: Er pendelt immer wieder zwischen Ich- und Er-Form. Warum also „Roman“? Er habe niemanden verletzen wollen, sagt Hardy Krüger. Außerdem habe er auf diese Art „tatsächliche Begebenheiten teils heiterer, teils schwärzer zeichnen“ können. Und überhaupt sei es nur bedingt richtig, dass das Leben die besten Romane schreibe. Erst in der literarischen Verdichtung sei Realität lesenswert. Hardy Krügers Rechnung ist jedenfalls aufgegangen. Mit „Junge Unrast“, seiner romanhaften Lebensgeschichte bis zum Jahr 1957, landete der schreibende Filmstar nach vierzehn Jahren Schriftstellerei und einem ersten Achtungserfolg mit „Die Schallmauer“ (1978, Auflage 8000) nun im Himmel der Branche: Das Buch stand schon auf der „Spiegel“-Bestsellerliste. Und das nach einem Start, der einst eher bescheiden war. Hardy Krügers erstes Buch „Eine Farm in Afrika“ fand 1969 nur durch die Vermittlung des Hamburger Buchhändlers Felix Jud einen Verlag. „Und dort“, so Krüger, „hatte man erst eine enorme Schwelle zu überwinden. Der prominenDieses Porträt aus dem Jahr 1983 zeichnet das Bild eines „großen Jungen mit dem Hang zum Abenteuer, der erste Falten angesetzt hat“ TEXT: AXEL WINTERSTEIN Die Fliegerei hatte es Hardy Krüger schon früh angetan. Hier sitzt er in den 90ern in einem alten Sportflugzeug. Foto: picture alliance/Keystone te Name war damals ein großes Hindernis. Man dachte: Ach, ein Schauspieler ... Ich habe mich hochdienen müssen.“ Da aber inzwischen der Autor den Filmstar an Prominenz (fast) eingeholt hat, besitzt der Name Hardy Krüger bei den Medien nun nahezu magische Anziehungskraft. Eine sechswöchige Tournee durch die Bundesrepublik steht an, Talkshows (zum Beispiel bei Joachim Fuchsberger), Lesungen, Autogrammstunden. Beim Nordddeutschen Rundfunk wurde in den 50er-Jahren Eberhard Krüger die Abkürzung Hardy verpasst. In Hamburg hat er trotz selbst gewählten kalifornischen Exils nach wie vor eine Wohnung – an der Außenalster. In Travemünde liegt sein Schiff, eine Neun-Meter-Motoryacht. Hardy Krüger ist jetzt fünfundfünfzig. Mit grau meliertem Bart und zerfaltetem Gesicht, das sehr männlich wirkt. Beim Gespräch im oberbayerischen Standquartier in Bad Wiessee gibt er sich konzentriert, distanziert, verbindlich und professionell. Nie lässt er sich anmerken, immerhin schon seit über 30 Jahren mit Interviews fertigwerden zu müssen. Seinen ersten Film als Berufsschauspieler, „Diese Nacht vergess ich nie“, drehte er 1949, in Hollywood arbeitete er zum ersten Mal 1951. „Seitdem“, erzählt er, „habe ich Kalifornien eigentlich nie ganz verlassen.“ Und deshalb kaufte er sich dort 1976 nach seinem Auszug von der Farm in Tansania ein Stück Urwaldland zwei Autostunden von Los Angeles entfernt. Dort, in einer selbst gebauten Blockhütte („Allerdings mit einigem Zivilisationskomfort“), schrieb er ein Jahr lang seinen deutschen Roman, fünf Seiten pro Tag an einem Bildschirmterminal: „Die Tastatur ist die gleiche wie 81
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