Berliner Morgenpost Club | Hardy Krüger

bei einer Schreibmaschine, aber Korrekturen sind leichter zu machen. Fast jeder amerikanische Autor benutzt inzwischen einen Terminal.“ Dass Hardy Krüger sich nun nach insgesamt sechs Büchern den endgültigen Durchbruch gleichsam ertrotzt hat, das verdankt er Talenten, die ihm im Bewusstsein der Öffentlichkeit oft nicht zugetraut werden. Weil sein Image – zumal hierzulande – allzu lange geprägt war vom Bild „des sympathischen großen Jungen des deutschen Films“, wurde eigentlich nie nach Gründen für seinen anhaltenden Erfolg seit 1949 geforscht, für den Erfolg beim Film und nun den im Buchgeschäft. Tatsächlich steckte in dem schlaksig wirkenden, eher introvertierten „großen Jungen“ schon immer die Kraft von Stahl, ein bisweilen als Quer- und Dickköpfigkeit daherkommender zäher Wille, der sich – gepaart mit Lernfähigkeit und Schläue – besonders auch in Krisen bewährte. Ein Beispiel: 1955 ging er nach England, weil er in Deutschland als „nicht sexy“ abgestempelt war und keine Rollen mehr erhielt, und bekam in der immer noch antideutschen Stimmung im London der 50er-Jahre die Rolle eines positiven Deutschen in „Einer kam durch“. Der Film wurde ein Welterfolg. Auch aus dem Fehlschlag mit seiner Momella Lodge in Tansania filterte Hardy Krüger Positives: sein erstes Buch „Eine Farm in Afrika“. Krüger, der Kämpfer: „Ich habe mir alles, was ich erreichen wollte, selbst schaffen müssen. Entscheidend aber war“, sagt er, „dass ich auch Glück hatte. Mit dem Glück stand ich immer auf gutem Fuß.“ Ein solcher Glücksfall seines Lebens ist auch seine dritte Frau, eine 32 Jahre alte „ICH HABE MIR ALLES, WAS ICH ERREICHEN WOLLTE, SELBST SCHAFFEN MÜSSEN“ Hardy Krüger Amerikanerin, die in Chicago geboren wurde, in Florida aufwuchs und die er in Tel Aviv kennenlernte. Sie arbeitete als Mannequin und war mit einem Amerikaner verheiratet. Nach dreitägiger Bekanntschaft brannte sie mit dem deutschen Schauspieler durch. Anita Park, der Krüger den Roman „Junge Unrast“ gewidmet hat, ist in der Realität noch attraktiver als auf Fotos: schmal, schön, ernsthaft und aufmerksam. „Anita“, sagt Krüger, „ist der einzige Mensch, der jeden Tag liest, was ich schreibe. Extra deswegen hat sie Deutsch gelernt. Sie enthält sich allerdings jeder Kritik und jeden Lobes, denn sie ist klug genug, um zu wissen, dass einer nicht in den Entstehungsprozess des Buches eingreifen sollte.“ Die vielen, bisweilen kritisierten Liebesszenen findet sie „sehr gut“. „Ich bin“, sagt sie, „eine große Bewunderin von D. H. Lawrence, dem Autor der ,Lady Chatterley‘, und ich halte diese Szenen in ,Junge Unrast‘ für die schönsten erotischen Buchpassagen seit Lawrence. Hardy hat sie true to the heart geschrieben, aus wahrem Herzen.“ Mit Anita möchte Hardy Krüger, der Rastlose, der schon fast überall war und an so vielen Orten gelebt hat, noch den Traum einer der wenigen großen Reisen verwirklichen, die er bislang nicht gemacht hat: die Durchquerung Amerikas von Alaska nach Feuerland. Im Wohnwagen. Außerdem hegt er nach fast dreijähriger Drehpause wieder Filmpläne: einen Fliegerfilm in Hollywood und einen Thriller in England. Denn obwohl er angibt, mit dem Bücherschreiben seinen eigentlichen Beruf gefunden zu haben („Ich wollte immer schon Schriftsteller werden und habe mit 18 die ersten Erzählungen geschrieben“), möchte er auf die Schauspielerei nicht verzichten: „Dieser andere Beruf ist halt auch so schön ...“ Doch da kommt ihm nun der Erfolg als Autor in die Quere. Schon drängt der Bertelsmann Verlag auf drei neue Bücher: einen Roman über das Berlin zwischen Blockade und Mauerbau: („Jetzt nennt man diese Jahre ja die ,goldenen Fünfziger‘“) und zwei Sachbücher über seine Reisen im Sommer dieses Jahres: Japan und die UdSSR via Transsibirische Eisenbahn. Eine Zwickmühle bedeutet die Wahl zwischen den beiden Berufen, weil „ich immer nur eine Sache zur selben Zeit machen kann“. Hardy Krüger vermag während der Arbeit an einem Buch nicht einmal andere Autoren zu lesen: „Das lenkt mich ab.“ Erschienen im Hamburger Abendblatt am 17. September 1983. 82

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