IN HAMBURG MACHTE ER THEATER Hardy Krüger startete als Statist am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg – und kehrte als Weltstar gleich mehrfach auf die Bühne des Ernst-Deutsch-Theaters in die Hansestadt zurück TEXTE: STEFAN RECKZIEGEL, BRIGITTE EHRICH, STEFANIE RÜGGEBERG Hardy Krüger – ein Statist? Man kann es sich heutzutage kaum vorstellen, aber so begann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg für den späteren internationalen deutschen Filmstar seine Karriere als Schauspieler. Hamburg, insbesondere eine Hamburgerin, spielte dabei die Hauptrolle. Der Regisseurs Wolfgang Liebeneiner hatte dem Direktor des Deutschen Schauspielhauses, Rudolf Külüs, den jungen Hardy empfohlen. Krüger, der zuvor nur 1943 im NS-Propagandafilm „Junge Adler“ gespielt hatte, hatte sich in die zerbombte und von den Briten besetzte Hansestadt durchgeschlagen. Hardy Krüger hatte keinen Beruf, die Zukunft war ungewiss. Nachts büffelte er im Bahnhofsbunker Rollen zum Vorsprechen. Etwa aus „Weh dem, der lügt ...“ und „Der Kaufmann von Venedig“. 3 Mark pro Abend bekam er als Statist. In der Stadt las Hardy Krüger etwas später auf einem Plakat des Theaters Junge Bühne den Namen Renate Densow – es diente der Familienzusammenführung. Die Hamburger Schauspielerin, die er im November 1944 in Breslau bei einem kurzen Fronturlaub kennengelernt hatte, hatte den Minderjährigen mit beider Tochter Christiane bereits zum jungen Vater gemacht. „Als ich dann endlich mal Rollen spielen durfte bei der Jungen Bühne, hab ich immer die Komiker vom Dienst gespielt. Ich hab immer den gespielt, der gelacht hat, der immer Spaß gemacht hat“, erinnerte sich Krüger Jahrzehnte später an seine Anfänge. „Aber da hab ich gemerkt, ich muss wohl doch ein ganz guter Schauspieler sein, denn innen drin sah es ganz anders bei mir aus“, räumte er ein. Hardy Krüger tourte mit einer Wanderbühne, und als der Jungmime in Hannover mal Krach mit dem Direktor hatte, kittete der legendäre Will Quadflieg das Porzellan und sorgte dafür, dass Hardy ein Engagement bekam und das Paar Krüger heiraten konnte. Nicht nur mit Quadflieg, auch mit Friedrich Schütter und dem Ernst-Deutsch-Theater sollte Krüger eine jahrzehntelange Freundschaft verbinden. Als dessen Theater noch „Brücke“ hieß, spielten beide am dortigen Standort Große Bleichen zusammen. An Ida Ehres Kammerspielen war Krüger bis Mitte der 50er-Jahre ebenfalls ein gern gesehener Gast – bis sich die Filmangebote häuften. Krüger nahm längst nicht jedes an. Es sollte zwar fast drei Jahrzehnte dauern, bis der weit gereiste Hardy Krüger wieder auf einer hiesigen Bühne stand, doch seine Anfänge in Hamburg hat er nie vergessen. Was das Hamburger Abendblatt über die Auftritte 1986 und 2003 am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater berichtete, lesen Sie hier: 1986: Mario Adorf und Hardy Krüger als „Jungs im Herbst“ Noch drei Tage bis zur Premiere im Ernst-Deutsch-Theater. Die Probenzeit drängt, die Pausen sind kurz. Trotzdem: Ein paar Minuten können sie erübrigen, die „Jungs im Herbst“, besser bekannt als Mario Adorf und Hardy Krüger. Die wenigen Meter von der Bühne zur mittäglichen Kohlroulade und dem sauren Hering mit Bratkartoffeln, Interview inbegriffen, sind gerade noch akzeptabel. Keine Zeit für die Dame vom Nachbartisch, die um einen Kurzauftritt für den 85. Geburtstag in der Familie bittet. „Das passiert uns andauernd“, bestätigen die beiden Weltstars, die sich vereint haben, um in heimischen Landen zum ersten Mal gemeinsam Theater zu spielen. Wichtig ist jetzt vor allem die Premiere: Bernard Sabaths „Die Jungs im Herbst“, die Geschichte von Mark Twains Kinderhelden Tom Sawyer und Huckleberry Finn, die sich im gesetzten Alter wiedertreffen und ihre Jugendträume von Freiheit weiterträumen. Vor drei Jahren begann die Geschichte für Mario Adorf und Hardy Krüger. „Ich habe das Stück entdeckt, als es Burt Lancaster und Kirk Douglas in Kalifornien spielten“, erzählt Hardy Krüger, der die Übersetzung besorgte und den Tom spielt, der sich bei Bernard Sabath zum Hoppla-jetzt-komm-ich-Komödianten entwickelt hat. „Beim Lesen tauchte Marios Gesicht vor mir auf, als Idealbesetzung für den Huck“, erinnert er sich. Adorf übernahm tatsächlich den Part des nachdenklich weise gewordenen Vagabunden Huck. Tom Sawyer und Huckleberry Finn, Mark Twains Mississippi-Lausejungen: 85
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