Gehören sie auch zu den Jugenderinnerungen der beiden bärtigen Herren, die ihnen jetzt zu neuem Leben verhelfen? Hardy Krüger: „Ich habe die Bücher als Kind verschlungen. Ich habe mich in die Welt der beiden hineingeträumt wie in eine Fata Morgana.“ Mario Adorf machte die literarische Bekanntschaft mit den beiden erst nach dem Krieg – aber nicht weniger nachhaltig. Jetzt sagte er zu ihren Gunsten sogar weit lukrativere Filmdreharbeiten in Mexiko ab. Was bedeutet dem international gefragten Darsteller die Theaterarbeit? Adorf: „Beim Film werden die einzelnen Szenen abgedreht und sind dann festgelegt. Auf der Bühne kann man ständig ausprobieren und beobachten. Das ist fast ein Glückgefühl.“ Auch die „Jungs im Herbst“ werden jetzt neu erprobt. Mit Textumstellungen und neuer Regie – der von Mario Adorf – wird Gerhard Klingenbergs ursprüngliche Inszenierung, die vor einem Jahr in Zürich ihre Premiere erlebte, auf Vordermann gebracht. „Wir sind schon so lange mit dem Stück verbandelt. Da muss man, um nicht zum Automaten zu werden, neu darüber nachdenken“, meint der jetzige Regisseur, der sich mit seinem Partner über Tausende von Kilometern hinweg zusammenraufte. Schließlich wohnt Hardy Krüger in Kalifornien und Mario Adorf in Rom. Von Zürich bis Berlin und München genossen sie als Tom und Huck bisher gemeinsam die Bühnenerfolge in rund 140 Vorstellungen. Mario Adorf und Hardy Krüger – was ist ihnen an ihrem Beruf am wichtigsten? Es ist die Suche nach einer guten Arbeit, das Werben um die Möglichkeit, etwas für andere glaubwürdig darzustellen. „Ich spiele ja nicht für mich, sondern für die Zuschauer. Dabei hoffe ich ständig auf immer bessere Rollen.“ Die letzten Rollen – beispielsweise der tyrannische Vater in „Via Mala“ oder ein dubioser Herr in „Momo“ – scheinen für Mario Adorf das Beste zu versprechen. Und auch für Hardy Krüger, den schreibenden Filmstar, ist die Schauspielerei noch immer das Wichtigste. Aber: „Egal, ob Kino, Fernsehen oder Theater – ich gehe dahin, wo es gute Leute gibt, wo es gute Sachen gibt.“ Zurzeit ist es eben Partner Adorf. Seit dem Film „Das rote Zelt“ von 1968 haben sie nicht mehr zusammengearbeitet. „Wir passen eben als Schauspieler nicht in die gleiche Richtung“, behauptet Hardy Krüger. „Aber man kann ja auch befreundet sein, ohne in derselben Wohnung zu leben.“ Zum selben Hotel hat es jetzt zumindest für sechs Wochen gereicht ... Erschienen im Hamburger Abendblatt am Dienstag, 4. November 1986 2005: Judy Winter und Hardy Krüger in „Zarte Blume Hoffnung“ Die Dose mit den Keksen steht in Griffweite. Daneben Kaffee, Orangensaft und grüne Äpfel. Kaffeehausatmosphäre im Vorraum einer Barmbeker Probebühne. Wenn schon gemütlich, dann richtig, findet Hardy Krüger und rückt einem auch noch galant den Stuhl zurecht. Halbe Sachen mag er nicht. Noch nicht mal, wenn es um so banale Dinge wie eine kurze Pause geht. Und erst recht nicht, wenn er arbeitet. Daran haben auch 18 Jahre nichts geändert. So lange ist es her, dass der 77-Jährige zuletzt auf der Bühne des Ernst-Deutsch-Theaters stand. Heute kehrt er nun an die Mundsburg zurück – mit der Premiere seines ersten selbst geschriebenen Bühnenstücks „Zarte Blume Hoffnung“. Hardy Krügers Nächte waren in den letzten Wochen kurz. Weil er manchmal um 6 Uhr morgens Dialoge gekürzt hat. „Denn eine wie die Judy braucht im Text Intensität“, wie er sagt. Gemeint ist Judy Winter. Sie ist Krügers Partne50er Jahre am Deutschen Schauspielhaus: der Schauspieler Gustaf Gründgens als Mephisto und Hardy Krüger (r.) als Schüler in Goethes „Faust“. Foto: Gerd Herold/dpa 86
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