Berliner Morgenpost Club | Hardy Krüger

es zu glauben, dass seine Ideen in Stein gemeißelt seien. An eine Sache glaubt er aber doch fest. „Es gibt Liebende“, hat er in „Zarte Blume Hoffnung“ geschrieben, „die sich nicht trennen lassen. Nicht einmal von einem Gott.“ Vielleicht erzählt Krüger deshalb so viel von seiner Frau Anita. Von den Deutsch-Bändern, die er für die Amerikanerin bespricht. Von der Afrika-Safari, die er mit ihr plant. Davon, dass er selbst nach 30 Jahren keinen Tag Urlaub von ihr will. Dann schaut er so gelassen wie jemand, der ganz und gar angekommen ist. Gleichzeitig ist der Mann mit den stets bis zur Brust aufgeknöpften Hemden alters- und ruhelos. „Nicht mehr zu arbeiten, das wäre so langweilig wie ein ewiger Südseeurlaub“, findet er und denkt bereits an neue Projekte. Auf das Theater sollen wieder Lesereisen folgen. Und dann ist da ja noch der Traum von einem Heimatausflug zum Kino – am liebsten mit seinem Sohn Hardy Krüger junior. Zuletzt hatte Krüger zwar jedes Drehbuch als zu schlecht abgelehnt. Doch nun will er sich einmal mehr vom Meckern verabschieden. Dem Feind halber Sachen ist nämlich eine Idee gekommen. „Wie man ein Theaterstück schreibt, weiß ich jetzt“, sagt er und lächelt. „Vielleicht sollte ich es mal mit einem Drehbuch versuchen.“ Erschienen im Hamburger Abendblatt am 29. September 2005 Judy Winter und Hardy Krüger 2005 vor dem Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg. Die beiden Schauspieler feierten hier gemeinsam Premiere mit Hardy Krügers Stück „Zarte Blume Hoffnung“. Foto: Andreas Laible rin im Stück. Und auch ansonsten spielt sie eine Rolle für das Bühnen-Comeback des einstigen deutschen Hollywoodstars Hardy Krüger. Judy Winter war es, die ihm immer wieder vorschlug, zusammen Theater zu machen. Und sie inspirierte ihn, sein Dauerklagelied von der erfolglosen Suche nach dem passenden Stück zu beenden. „Ich wusste plötzlich, dass Meckern nichts bringt“, erzählt er. „Also habe ich selbst was geschrieben.“ Das Ergebnis ist die Geschichte von Vera Ahrens und John Ribbeck. Eine Ost-West-Liebe, gefangen zwischen deutscher Teilung und Wiedervereinigung. Und zugleich eine Liebeserklärung an Berlin, die Stadt, in der Hardy Krüger geboren wurde. Er schwärmt zwar wahlweise von seiner Blockhütte in Kalifornien oder der Wohnung an der Außenalster. „Aber Heimat“, sagt Hardy Krüger dann schlicht, „das bleibt Berlin.“ Mit der Stadt hat er die Berlin-Blockade oder den 17. Juni, von denen auch das Stück und der gleichnamige Roman erzählen, erlebt. So ist es denn kein Zufall, dass John Ribbeck als Reisejournalist, Buchautor und Pilot klare Parallelen zu Hardy Krüger aufweist. „Ich hatte immer viele Berufe, weil ich mich nie entscheiden wollte“, sagt Krüger. In den 50er- und 60er-Jahren drehte er mit Stars wie John Wayne. Später wurde der Hobbypilot auch Schriftsteller und lockte mit der NDR-Serie „Weltenbummler“ Millionen Zuschauer vor den Bildschirm. „Jetzt wieder Theater zu spielen ist eine Heimkehr“, findet er. Dabei ist er uneitel genug, sich in seiner Doppelrolle als Autor und Schauspieler nicht allzu ernst zu nehmen. Albern nennt er 87

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