Vor einem Wigwam, in dem eins seiner Kinder schläft, schreibt Hardy Krüger 1973 an seinem Roman „Wer stehend stirbt, lebt länger“. Fotos: dpa/picture alliance Hardy Krüger über den Mond (...) Es ist nämlich so, dass der Filmvorführer nicht mein einziger Freund damals gewesen ist. Ich hatte einen anderen noch. Einen Großen. Runden. Weißen. Und dieser andere, das war der Mond. ER WARTETE AUF MICH, in der Oberfeldstraße, draußen vor dem Haus von Raimund Kastners Eltern. Wann immer er es hat einrichten können, stand er da; mein Freund, der Mond, stand auf der anderen Seite der Straße und malte die Dunkelheit ganz hell für mich. Manchmal war es nach einem Geburtstagsfest, dass er da gewartet hat. Es konnte auch mal am Ende von Karl-May-Geschichten gewesen sein, die Vater Kastner so gerne laut für uns gelesen hat. In meiner Erinnerung ist mein Freund immer für mich da gewesen, wenn ich auf dem Weg nach Hause war. Sobald ich losgegangen bin, ist auch er gegangen. Wenn ich an der S-Bahn-Schranke warten musste, stand auch er ganz still. Wollte ich mal schnell nach Hause, ist er mitgerannt. Bis hin zum Elternhaus. Da hat er mich dann reingehen lassen. Und ich habe ihm ein letztes Mal noch zugewinkt. Dieses Spiel mit meinem Freund, dem Mond, spiele ich auch heute noch. Vor Wolkenkratzern in New York. Oder in einem Wald aus Eichen. Selbst in der Antarktis haben wir das Spiel gespielt. Riesig groß und gelb ist er da gewesen, als er langsam über den Rand der Welt gekommen ist. Luv (Anm. d. Redaktion: Hardy Krüger nannte seine Ehefrau Anita liebevoll „Luv“.) stand dabei und hat ganz hell gelacht. (Auszug aus: „Was das Leben sich erlaubt – Mein Deutschland und ich“, Hardy Krüger, Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg) 95
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