MENSCHLICH GESEHEN Hardy kann warten Er gehört zu dem kleinen halben Dutzend Filmstars, die gegebenenfalls nachweisen könnten, dass sie eine sechsstellige Summe als Gage ausgeschlagen haben, weil die angebotene Rolle ihnen nicht mehr zumutbar erschien. Denn der Berliner Hardy Krüger, der sich in Hamburg so eine Art Heimatrecht erworben hat, gehört weiterhin zu den ganz wenigen Leuten, die tatsächlich monatelang auf das richtige Drehbuch warten und in der Zwischenzeit „auf die Dörfer“ gehen, um Theater zu spielen. Das ist etwas, was sonst nur in Filmprospekten steht. Eberhard Krüger, genannt „Hardy“, war 1943 genau 15 Jahre alt, als Regisseur Alfred Weidenmann ihn in Berlin vor die Kamera holte. Damals wurde der Film „Junge Adler“ gedreht mit lauter frischen deutschen Jungen. Eberhard hatte so einen großen Erfolg, dass er sofort weiterengagiert werden sollte, „aber er bestand darauf, erst sein Abitur zu machen“. Als der Nachkriegsfilm Hardy Krüger entdeckt hatte, handelte es sich nur um Monate, bis man das „männliche Trotzköpfchen mit der schmollenden Unterlippe“ als Star feiern durfte. Es blieb den Engländern vorbehalten, dem „jungen Adler“ in „Einer kam durch“ endlich eine Rolle zu geben, mit der er sich als „erwachsener“ Schauspieler durchsetzen konnte. Heute lebt er mit seiner Frau, der Schauspielerin Renate Densow, und seiner Tochter zurückgezogen in der Schweiz. Nach dem großen internationalen Erfolg hat er nun alle Möglichkeiten, sich Rollen auszusuchen, wie z.B. die jetzige im „Bumerang“ seines alten Freundes Weidenmann. Erschienen im Hamburger Abendblatt am Dienstag, 9. Februar 1960 98
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