Standort38 #152

STANDORT38 22 August 2025 tation, Qualitätsmanagement und Datenschutz. Damit eben keine Rückschlüsse auf einzelne Patient:innen möglich sind. Ein Kritikpunkt, den es geben könnte, ist die Abgrenzung zu nicht-medizinischen Produkten mit KI-Anwendung, die in die niedrigere Risikokategorie fallen. Die Unterscheidung ist nicht immer ganz klar. Seitens Unternehmer:innen hören wir eher: Der AI Act behindert den Einsatz von KI. Wie ist die Stimmung im medizinischen Sektor? Der medizinische Sektor hat andere Themen wie Krankenhausreform, Ambulantisierung und natürlich Versorgung. Wie kann ich weiterhin gute Versorgung, auch mit Hilfe von KI, anbieten? Der AI Act spielt für uns als Krankenhaus erst eine Rolle, wenn wir definiert haben, an welchen Einsatzbereichen wir Künstliche Intelligenz nutzen wollen. Der Act schafft erstmalig Regeln für die Anwendung von KI. Ob es nun insgesamt besser ist, sich erst Regeln zu geben und dann etwas zu machen oder umgekehrt, ist eine gesellschaftskritische Fragestellung. Wir haben diese Regeln für die Nutzung von KI nun, damit müssen wir umgehen – und können es auch. Das klingt sehr positiv. Natürlich sehe ich die Grenzen und Risiken. Aber ich sehe auch, dass wir im medizinischen Bereich so nicht weitermachen können. Es gibt immer mehr Menschen, deren Versorgung wir auf ihre Bedürfnisse anpassen müssen – seien das ältere Menschen, Menschen auf dem Land oder Menschen mit psychischen Erkrankungen. Wir brauchen eine Idee, wie Medizin in Zukunft sein könnte. Und da geht es eben um Fachkräfte-Unterstützung, um Prävention und Versorgung. Damit wir dann, wenn jemand erkrankt, Ressourcen für genau die Therapie haben, die diese:r Patient:in braucht. Welche Nachteile kann der Einsatz von KI für die Mitarbeitenden haben? Ich denke, perspektivisch wird es kaum Nachteile geben. Die Mitarbeitenden berichten uns, dass sie nur noch wenig Zeit für die Patient:innen haben, weil sie immer mehr administrative Tätigkeiten ausführen. Gleichzeitig haben sie Angst: Wenn wir beispielsweise den Dienstplan per KI erstellen, braucht man mich überhaupt noch?! Da müssen wir vermitteln: Du bist wichtig und sollst hauptsächlich das tun, was nur du als Mensch kannst. Außerdem müssen sie ausgebildet werden, wie Künstliche Intelligenz ihnen hilft. Was geht und was nicht. Was sind Chancen? Was sind Risiken? Es ist ein langwieriger Prozess, bei dem man sich jetzt auf den Weg machen muss. Wie kommunizieren sie den KI-Einsatz an Patient:innen? Noch setzten wir keine KI ein. In den letzten Jahren lag unser Augenmerk auf der Digitalisierung. Das heißt: Keine Papierakte mit Stift und Zettel mehr, sondern digitale Patientenakten. Diese digitale Patientenakte ist nicht zu verwechseln mit der elektronischen Patientenakte. Wir sind dabei eine Strategie zu entwickeln: Wo kann uns KI unterstützen, was dürfen wir, was dürfen wir nicht. Und da hilft uns auch der Clinotel-Verbund. Ein gemeinnütziger Zusammenschluss eigenständiger Krankenhäuser aus ganz Deutschland, die voneinander lernen und gemeinsam Ideen für die Verbesserung von Versorgung und Qualität entwickeln. Die tatsächliche Nutzung von KI ist noch ein Zukunftsthema. Das klingt alles danach, als wäre KI primär ein Werkzeug für Diagnostik und Verwaltung. Wird sie auch irgendwann im Operationssaal eingesetzt? Ein OP-Roboter ist kein humanoider Roboter, sondern ein Gerät, dass die Instrumente hält und von einem Arzt oder einer Ärztin per Computer gesteuert wird. Unterstützt von einer Software, die Instrumente stoppt, wenn man zu nahe an vulnerable Strukturen kommt. Das ist eines der ersten Projekte, wo KI zum Einsatz kommen könnte – aber da steht der Robotics-Anteil im Vordergrund, nicht die klassische Künstliche Intelligenz. Insgesamt bleibt der Eindruck: Die größte Entlastung könnte es in der Verwaltung geben. ▶ Terminanfragen laufen in einigen Abteilungen des Klinikums Wolfsburg mittlerweile auch digital über die Webseite. ▶ Dr. Mignon-Denise Keyver-Paik (rechts), Chefärztin der Frauenklinik am Klinikum Wolfsburg, und Breast Care Nurse Maria Schwarze passen bei einer Brustkrebspatientin einen Kompressions-BH an. FOTOS Thorsten Eckert/Klinikum Wolfsburg, sarymsakov.com/AdobeStock/Klinikum Wolfsburg

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