STANDORT38 25 August 2025 wenn wir viele Daten haben, könnten wir sie für Forschungszwecke verwenden. Letztlich hat die ePa viele Vorteile. Sehen Sie keine Nachteile? Ein Nachteil kann sein, wenn ein Patient nicht möchte, dass ein Arzt sieht, bei welchen Ärzten er sonst noch in Behandlung ist. Hierüber können allerdings die Patient:innen entscheiden. Insgesamt werden Kommunikation und Transparenz verbessert. Mögliche Nachteile sind die Gefahr des Datenlecks beziehungsweise durch Cyberangriffe. Die Sicherheit der Daten muss also gewährleistet sein. Welche Möglichkeiten haben Patient:innen, den Zugriff auf ihre Daten zu regulieren? Es gibt für die elektronische Patientenakte die Opt-Out Regelung. Wenn es um Studien geht, war es bisher so, dass Sie als Patient gefragt wurden, ob die Daten verwendet werden können. Bei den Daten aus der elektronischen Patientenakte geben sie ihr Einverständnis zur Forschung, wenn sie die ePa nutzen. Das heißt aber auch: Alle Häuser, alle Krankenkassen und Forschungseinrichtungen müssen sich auf einheitliche Dateiformate, Nomenklatur, kompatible Systeme et cetera einigen … Und wir müssen Schnittstellen untereinander schaffen. Solche Aufgaben werden von der Gematik, der Nationalen Agentur für Digitale Medizin, koordiniert. Sie setzt Standards für die Nutzung von digitalen Anwendungen in Deutschland, in etwa wie eine DIN-Norm. Das klingt danach, als wäre der Prozess nicht abgeschlossen. Ist er auch nicht. Die Vorgaben gibt es, aber die Gesundheitsdaten der Patient:innen müssen erst noch eingegeben werden. Und das ist eine Aufgabe für den niedergelassenen Bereich. Die Erstausfüllung der Patientenakte soll der Hausarzt vornehmen – dafür gibt es, als Anreiz, auch finanzielle Unterstützung. Wichtig ist, dass der Anfang gemacht wird. Dabei gibt es noch Praxen, in denen alles in Papierakten organisiert ist. Ja, klar, die gibt es noch. Aber die neue Generation der Ärzte ist mit der Digitalisierung aufgewachsen. Für sie ist es ganz normal, die Daten mit einem Computer abzurufen und zu erfassen. Alle anderen sollten durch kontinuierliches Informieren und Schulen mitgenommen werden. Wie sehr mussten sich die Rechtsabteilungen der Krankenhäuser in den vergangenen Jahren verändern? Das Thema Datenschutz ist immer wichtiger geworden. Es sind ja mehr als die Patientenakten, die Karteikarten, die nicht offen rumliegen dürfen. Es gibt immer mehr Rahmenbedingungen rund um den Datenschutz, die wir erfüllen müssen. Alle an der Digitalisierung und an der Nutzung von KI Beteiligten – insbesondere die Unternehmen, die Anwendungen anbieten – müssen ihren Teil des Datenschutzes leisten und sich nach den Vorgaben richten. Es bleibt die Frage, ob wir alle unsere Daten zur Verfügung stellen möchten. Wenn wir uns gesellschaftlich die Frage stellen, ob wir die ganzen Daten zur Verfügung stellen wollen, ist die andere Frage: Möchte ich im Zweifelsfall die beste Therapie, die es gibt? Ist es sinnvoll, dass Medikamente individuell auf mich zugeschnitten sind? Für die alle möglichen Wahrscheinlichkeiten durchgerechnet werden, ohne jahrelange Studien? Damit wir Entscheidungen auf Basis der Datenmengen treffen und Medikamente entwickeln können, brauchen Forschende Zugriff darauf. Dafür müssen wir den Menschen erklären, dass ihre Daten gar nicht zu ihnen zurückverfolgt werden können. Letztlich sind die Daten wie eine Zweitmeinung, die den Arzt in der Entscheidungsfindung unterstützen. Also eine Zeit- und Ressourcenersparnis, weil ich keinen weiteren Arzt aufsuchen muss? Genau. Wir wissen schon heute, dass Analyse von Daten mittels KI insbesondere im Bereich der Mammographien ein Thema ist. Frauen, die eine Mammographie brauchen, fragen Ärzte, ob sie Künstliche Intelligenz für die Befundung nutzen. Es gibt den Patient:innen eine größere Sicherheit, da die KI teilweise kleinste Strukturen identifizieren und den Arzt darauf hinweisen kann. Wichtig ist, beim Training von KI, Daten zu nutzen, die die gesamte Population abbildet, also nicht nur Daten von Männern, sondern auch von Frauen und allen Ethnien zu verwenden. Denn nur dann können die Ergebnisse von KI auch sinnvoll interpretiert werden. ▶ Der Videoturm in der urologischen Abteilung des Klinikums wurde im Januar in Betrieb genommen und ermöglicht eine bessere Diagnostik von Blasenkrebs.
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