Standort38 #152

Impuls Der Griff zum richtigen Werkzeug August 2025 STANDORT38 Wie sich der EU AI Act auf Unternehmen auswirkt ▶ Von Gesa Lormis Wer als Unternehmen Künstliche Intelligenz entwickelt oder einsetzt, muss laut AI Act sicherstellen, dass seine Mitarbeitenden entsprechende Kompetenz besitzen. Aus Sicht von Unternehmensberater Sascha Hummel steckt in dieser Schulungspflicht einiges an Potenzial. Es lässt sich nicht mehr leugnen: Künstliche Intelligenz ist keine Zukunftsvision oder Science Fiction, kein Nischenthema für Technik-Nerds – sie ist da. Sie steckt in der Gesichtserkennung von Smartphones und beim Spurhalte-Assistenten im Auto. Doch erst mit der Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 ist dieses Thema in der breiten Öffentlichkeit populär geworden. Passend dazu ist am 1. August 2024 der Artifical Intelligence Act (AI Act) der Europäischen Union in Kraft getreten. Einige der zentralen Pflichten, beispielsweise für Hochrisiko-Systeme und Transparenz, greifen allerdings erst ab 2025 und 2026. Europa setzt auf strikte Transparenz und Sicherheit Das Gesetz gilt für alle Firmen, die KISysteme bereitstellen, entwickeln oder anwenden – und das in allen Branchen. Für den Braunschweiger Berater Sascha Hummel ist es ein zweischneidiges Schwert, das Unternehmen hemme, sich mit dem Thema KI zu befassen. Er selbst befasse sich seit 2010, damals als Geschäftsführer eines Software-Engeneering Unternehmens, mit maschinellem Lernen und erläutert: „Letztendlich ist die EU aus meiner Sicht über das Ziel hinausgeschossen und hat mit dem AI Act einen so engen Rahmen gesteckt, dass wir im internationalen Wettbewerb benachteiligt sind. Wenn wir in Europa vor etwas Angst haben, dann regulieren wir es. Und das, obwohl wir noch nicht einmal alle Potenziale begriffen haben.“ Es sei jedoch nicht alles daran schlecht, viele der Regeln sogar sinnvoll. Die Pflichten unterscheiden sich je nach Risikokategorie des KI-Systems. „Nicht mit jedem System, mit jeder Anwendung, bewegen wir uns im Hochrisiko-Bereich“, so der 51-Jährige. Als positiv bewertet er, dass Systeme, die ins Persönlichkeitsrecht eingreifen, komplett verboten sind, wie beispielsweise Social Scoring. Als positiv bewertet er ebenfalls, dass von Systemen keine eigenständigen Entscheidungen im Personalwesen getroffen werden dürfen. Schulungspflicht als Chance Ein weiterer Punkt des AI Acts ist die Schulungspflicht: Wer als Unternehmen Künstliche Intelligenz einsetzt, muss sicherstellen, dass seine Mitarbeitenden ent-

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