Entscheider:innen STANDORT38 33 August 2025 lige Situation. Sie saugte alles neue Wissen auf, gewann eine gute Übersicht. „Man hat mich gefragt: Wie soll dies und jenes entwickelt werden? Welche Auswirkung hat das?“ Schladebeck wurde Teil des Teams, lernte gleich zu Beginn ihren Freund und heutigen Ehemann in der Firma kennen und sagte ihren Eltern am Telefon, dass sie doch noch länger bleiben werde. „Ich hatte bei Bredex die Möglichkeit, immer weiterzukommen.“ Deshalb sei ihr nie langweilig geworden, habe es sie nie weggezogen. Schlussendlich sei sie gefragt worden, ob sie sich vorstellen könne, Personalverantwortung zu übernehmen. Der Aufstieg zur Expertin Die Begeisterung fürs Software-Testing ist bis heute geblieben. „Ich war immer neugierig, wie Sachen funktionieren“, sagt sie. Als Kind wollte Schladebeck Ärztin werden und lernen, wie im menschlichen Körper alles zusammenhängt. Auch bei Apps oder anderen Programmen versucht sie, Dinge auszuprobieren und ihnen auf den Grund zu gehen. „Ich gehe an ein Programm heran und frage mich: Was würde ich als erstes tun wollen? Ich versuche nicht als erstes, etwas kaputtzuspielen. Man findet nämlich erstaunlich viele Dinge, wenn man versucht, einen Anwendungsfall von vorne bis hinten durchzuziehen. Dieser Ansatz nennt sich exploratives Testen.“ Ein Verfahren, in dem Schladebeck Expertenstatus erreicht hat: Sie ist international Keynote-Speaker für das Verfahren und Mitglied in vielen Gremien. Sie coacht, berät und publiziert. Das Technische sei schon interessant, resümiert sie, aber in diesem Zusammenhang vor allem auch das Menschliche: Kommunikation, Absprachen treffen, Feedback geben, Feedback von Kunden einbinden: „Das lässt bei mir Neuronen in beiden Gehirnhälften feuern und dann bin ich glücklich.“ Wenige Frauen im IT-Mittelstand Frauen stellen nach wie vor eine Minderheit in der IT dar, dennoch sieht Schladebeck sich selbst als Beispiel, dass die Branche fortschrittlicher wird, diverser. Aber sie schränkt auch ein: „Ich bin die eine der wenigen Frauen im Braunschweiger IT-Mittelstand. Dazu bin ich eine privilegierte weiße Frau. In England aufgewachsen, mit Uni-Abschluss.“ Ihre Perspektive auf SoftwareAnwendungen ist gleichwohl wertvoll. Eine der wichtigen Fragen für sie ist: Haben Menschen mit unterschiedlicher Geschlechtsidentität unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen an Software? Nicht jedes Programm brauche etwa wirklich die Anrede. „Das stört mich schon im Englischen“, sagt sie. „Miss“ oder „Mrs“ als verheiratete Form - es habe nicht die geringste Relevanz, wie ihr Status sei. Und in vielen Anwendungen sei es egal, ob jemand Frau, Mann, nicht-binär oder etwas anderes sei. „Der einzige Mensch, der mein biologisches Geschlecht wirklich wissen muss, ist mein Frauenarzt“, stellt Schladebeck klar. Es sei also viel gewonnen, wenn Software inklusiv sei und Männer nicht als Standard-User ansehe. Allein aus dieser Perspektive können Tester viele Ideen und Ansätze gewinnen. Ausnahmen gibt es trotzdem: Zum Beispiel Uber oder Ride-Sharing-Apps, die wichtige Sicherheits-Features für Frauen integriert haben. „Die arme DB-App hat richtig unter mir zu leiden“ Eine andere Dimension ist die Usability, die Nutzerfreundlichkeit. „Eine Stay-at-HomeMum, die häufiger mal ein Baby oder Kleinkind auf dem Arm hat, muss eine App definitiv einhändig bedienen können“, betont Schladebeck. „Aber das hängt nicht mit dem Geschlecht zusammen – das kann genauso gut der Papa oder die Tante sein.“ Der emotionale Zustand sei ein weiteres Kriterium, sagt Schladebeck und weiß, dass das amüsant klingt. „Ich nutze Software anders, wenn ich wütend bin oder unter Stress stehe, als wenn ich ruhig bin“, gibt sie zu. „Die arme DBApp hat richtig unter mir zu leiden.“ Im Bereich der IT-Qualitätssicherung habe es schon immer viele Frauen gegeben. Aber egal in welcher Branche: „Als Frau gibt es drei Jahrzehnte, in denen unsere berufliche Inklusion stark leiden kann, nämlich zwischen 20 und 50 Jahren. Wenn wir Kinder bekommen, sind wir vielleicht nicht mehr in Vollzeit dabei. Und dann verlassen viele Frauen sogar den Beruf, wenn sie in die Wechseljahre kommen.“ Würden solche Probleme nicht angegangen, werde die berufliche Inklusion von Frauen immer wieder stocken. „Alex“ Schladebeck steht momentan nicht vor dieser Entscheidung. Zu eng ist ihr Leben mit Bredex verbunden. Selbst zuhause, sagt sie, muss sie aufpassen, mit ihrem Mann nicht nur über die Arbeit zu sprechen – auch er beschäftigt sich in der Freizeit viel mit Tech-Blogs und Ähnlichem. Achtsame Auszeiten gebe es aber regelmäßig: „Im Urlaub reden wir lieber über die nächste Piña Colada!“ ▶ Alex Schladebeck ist eine Teamplayerin. Auch bei der Bredex GmbH spiele das Gemeinschaftsgefühl eine große Rolle, sagt sie. ▶ Eine der wichtigen Fragen für Schladebeck ist, ob Menschen mit unterschiedlicher Geschlechteridentität auch verschiedene Erwartungen an Software haben.
RkJQdWJsaXNoZXIy MjExNDA4