FOTOS Molly Riley/Gage Skidmore/Wikimedia, Campus Verlag, MDR/DRIVEbeta/Benjamin Kahlmeyer Auftakt STANDORT38 6 August 2025 KI 2041 Zehn Zukunftsvisionen Kai-Fu Lee | Campus Verlag Erschienen 2021 und im Jahr darauf mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis von Handelsblatt, Goldman Sachs und der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet, kann das Werk von Kai-Fu Lee als eines der wichtigsten Wirtschaftsbücher dieser Jahre gelten. Er weiß, wovon er schreibt: Lee ist Co-Vorsitzender des Artificial Intelligence Councils beim Weltwirtschaftsforum und bekleidete Führungsrollen bei Microsoft, Apple und Google. Zum anderen weiß er, dass eine gute Story hilft, um Dinge zu verstehen. Hier liefert er gleich zehn. Dementsprechend ist „KI 2041“ kein Sachbuch im klassischen Sinne. Es ist eine Anthologie von mal ergreifenden, mal schockierenden oder mutmachenden Kurzgeschichten, die Aspekte der KI-Entwicklung aufgreifen. Abgerundet werden sie durch Analysen, welche jeweils die technologischen Hintergründe und den aktuellen Entwicklungsstand erklären. So wird etwa die Geschichte von Amaka erzählt, der im nigerianischen Lagos von 2041 einen (bereits gefälschten) Avatar kopiert und ihn zum Verlautbarer politischer Botschaften in den Sozialen Medien macht. Jobabbau durch Künstliche Intelligenz ist ein weiteres der Themen. Dies erzählt Lee anhand von Protagonisten einer Transformationsgesellschaft, die entlassene Menschen irgendwie in einen neuen Beruf vermitteln soll. Dabei geht es auch um politische Begleiterscheinungen wie bedrohliche Aufstände oder ein bedingungsloses Grundeinkommen. Insgesamt gelingt Kai-Fu Lee die Darstellung einer Zukunft auf Basis heutiger Kenntnisse und dem sich beschleunigenden Innovationszyklus im Bereich der Künstlichen Intelligenz. „KI 2041“ ist für alle lesenswert, die sich für gesellschaftliche Entwicklung interessieren (müssen). T.D. Zukunft im Fokus Bad Bromance Elon Musk, Peter Thiel und ihr Weg an die Macht ARD Audiothek Der öffentlichkeitswirksame Bruch zwischen dem reichsten Mann und dem mächtigsten Mann der Welt kam zwar nicht unerwartet, überraschte aber in seiner Heftigkeit und Turbulenz. Dass die Freundschaft zwischen Elon Musk und Donald Trump schon länger zurückreicht und es schon Jahre zuvor ein Auf und Ab gab, ist hingegen nicht allen bekannt. Der „Bad Romance“-Podcast von Janne Knödler und André Dér-Hörmeyer blickt in das bisherige Leben, Wirken und Mindset von Musk sowie die Integration seiner Unternehmen in die US-Politik. Außerdem nimmt er eine Person ins Visier, die wie Musk in Südafrika aufwuchs, im Silicon Valley reich wurde und bis heute im Hintergrund die Fäden einer rechts-libertären Kulturrevolution in den USA in der Hand hält: Peter Thiel. Die Gemeinsamkeiten der beiden Protagonisten (etwa ihre millionenschwere Unterstützung für Donald Trump), ihre gemeinsame und von Zerwürfnissen geprägte Geschichte bei PayPal in Palo Alto sowie grundsätzliche charakterliche Unterschiede werden unterhaltsam herausgearbeitet. Zu Denken gibt im Nachhinein allerdings die geballte Macht, die beide Männer haben. Und wenn Peter Thiel, dessen persönliches Netzwerk radikaler Blogger (heute als „Philosophen“ bezeichnet) bis zu US-Vizepräsident Vance reicht, nachweisbar über die Abschaffung der Demokratie zugunsten eines CEO-gelenkten Staatswesens nachdenkt, könnte ein Gefühl der Beunruhigung zurückbleiben. T.D.
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