Digitales Themenheft | Klinische Studien

5 THEMA BESCHREIBUNG „Bei diesem Gespräch waren meine Geschwister, mein Mann und meine Mutter dabei, wir konnten es alle nicht fassen“, erinnert Marlene sich. Am Ende, betont die gebürtige Heidelbergerin aber, habe diese Ärztin ihr einen Gefallen getan: „Sie hat meine Überlebenschance so klein geredet und mir bei jedem Treffen solche Angst gemacht, dass ich mich auf die Suche nach einer Alternative gemacht habe.“ In Marlenes Fall war die Alternative eine klinische Studie. Die Studie untersucht eine Impfung beim Vorliegen einer spezifischen und seltenen Mutation, die ihr Hirntumor zufällig aufwies. „Meine Berliner Ärztin meinte, dass sie nicht an Studien glaube, es hätte schon so viele gegeben, ohne Erfolg. Aber ich wusste: Ich will das machen! Ich war ja verantwortlich für zwei, für mich und mein Baby!“ Marlene entschied sich ganz bewusst für die Teilnahme an der Studie. Für ihre Art von Hirntumor gab es sehr viele Informationen, erzählt sie, und alle waren schlecht. „Zu dieser Studie gab es keine Informationen, niemand konnte mir sagen, dass ich bald sterbe, weil es niemand wusste“, erklärt sie. „Deshalb habe ich die Möglichkeit, dieses neue Medikament zu nehmen, als sehr positiv wahrgenommen.“ Bis Marlene mit der Studie begann, vergingen einige Monate. In dieser Zeit wurde sie nach der Standardtherapie behandelt – und ihr Sohn Luka kam zur Welt. Die Monate waren schwer und schön zugleich, erinnert sie sich. „Das Gute war, ich habe mir mein altes Leben nicht zurückgewünscht.“ Denn da war ja nun Luka, ein sehr vergnügtes Kind, das so viel Freude ausstrahlte. Der ihr eine neue Perspektive auf das Leben und unbeschreiblich viel Kraft schenkte. Seit Januar 2019 wird Marlene gegen ihren Tumor geimpft und bekommt Spritzen mit einem Peptid, inzwischen alle drei Monate. Sie hat Nebenwirkungen: „Bei mir reagiert der Körper lokal sehr stark auf die Spritzen, ich bekomme davon Wunden.“ Mittlerweile ist ihr Bauch sehr vernarbt, sie darf zum Marlene konnte ihr Baby gesund zur Welt bringen Beispiel nicht in Chlorwasser schwimmen, weil die Narben sonst wieder aufgehen könnten. Warum sie trotzdem weiter an der Studie teilnimmt? „Ich weiß von den Ärzt*innen: je stärker die lokale Reaktion, desto besser die Wirkung im Gehirn. Deshalb nehme ich sie in Kauf – leben ist wichtiger als schwimmen. Ich konzentriere mich auf eine gute Wundheilung.“ Da sie noch in Therapie ist und auch unter körperlichen Langzeitfolgen leidet, hervorgerufen durch den Tumor, betrachtet Marlene sich selbst nicht als geheilt. „Aber ich habe keinen nachweisbaren Tumor mehr.“ Wie genau und ob dies wirklich durch die Impfung erreicht wurde, müssen die Ärzt*innen und Wissenschaftler*innen noch weiter erforschen, erzählt sie. „Es funktioniert auch nicht bei allen gleich gut. Aber bei mir klappt es.“ Marlene lebt heute mit ihrer Familie in Berlin. Sie hat ihre Tätigkeit als Cutterin wieder aufgenommen und studiert berufsbegleitend Kunsttherapie. „Ich investiere in meine Zukunft.“ Etwa alle fünf Monate wird ein MRT gemacht um sicherzugehen, dass der Krebs nicht zurück ist. Angst davor hat sie heute nicht mehr. Ihr Sohn ist inzwischen acht Jahre alt, er geht in die zweite Klasse. Und Marlene? Sie ist immer noch da und sagt überzeugt: „Die Studie hat mir das Leben gerettet!“ Marlene hatte einen Hirntumor, heute ist sie tumorfrei

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