1250 Jahre Rudolstadt

18 Die thüringische Residenzstadt Rudolstadt blickt auf eine bewegte und facettenreiche Geschichte zurück. Über Jahrhunderte hinweg entwickelte sie sich zu einem kulturellen Zentrum, das Künstler, Dichter, Denker und zahlreiche weitere Persönlichkeiten anzog. Ihre historische Bedeutung und die Begegnungen bedeutender Geistesgrößen prägen das besondere kulturelle Erbe der Stadt bis heute. Der ehemalige französische Staatspräsident François Mitterrand geriet 1940 – während des Zweiten Weltkriegs – in deutsche Kriegsgefangenschaft und wurde mehrere Monate in einem Lager in Schaala, heute ein Ortsteil von Rudolstadt, festgehalten. Von dort gelang ihm schließlich die Flucht. Mitterrands Erinnerungen an Rudolstadt prägten sein Bild von Deutschland maßgeblich und trugen entscheidend zur späteren deutsch-französischen Versöhnung bei. Die deutsche Schauspielerin Annett Renneberg wurde am 16. März 1978 in Rudolstadt geboren, wo noch immer ein Teil ihrer Familie lebt. Sie wuchs in Berlin auf, feierte bereits als Teenager ihr Filmdebüt und wurde vor allem durch große TV-Rollen wie die der Signorina Elettra in Commissario Brunetti oder als Prof. Dr. Maria Weber in „In aller Freundschaft“ bekannt. Zur 100. Auflage von „MMM – Was bin ich?“ – das heitere Beruferaten des Theater Rudolstadt – war sie der umjubelte Stargast. Henriette Ernestine von Holleben, war in Rudolstadt als „Jettina“ bekannt. Ein wichtiger Ort in ihrem Leben wurde das Fürstliche Bernhardinen-Stift – dort, wo sich heute der Handwerkerhof befindet. Für unverheiratete adlige Frauen des 19. Jahrhunderts bot das Damenstift einen geschützten Rahmen, in dem sie selbstständig leben und Aufgaben übernehmen konnten. Für Jettina war es auch zum Ausgangspunkt ihres sozialen Engagements. Sie widmete sich der Armen- und Wohlfahrtspflege in Rudolstadt. In Rudolstadt fand dieser Einsatz besondere Anerkennung. Am 28. September 1891 verlieh die Stadt Henriette von Holleben das Ehrenbürgerrecht. Für eine Frau im Deutschen Kaiserreich war diese Auszeichnung ausgesprochen bemerkenswert. Arthur Schopenhauer hatte im Sommer und Herbst 1813 seine prägende Phase in Rudolstadt. Aus Weimar kommend zog er sich nach Spannungen im Haushalt seiner Mutter und auf der Flucht vor den Kriegswirren hierher zurück, wohnte und arbeitete in einem Zimmer im damaligen Gasthaus „Zum Ritter“. Rudolstadt wurde für ihn zum Rückzugsort. In dieser Abgeschiedenheit schrieb er seine Dissertation ‚Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde‘, mit der ihn die Universität Jena 1813 promovierte. Hätten Sie es gewusst…? Foto: Stadtverwaltung Rudolstadt Foto: La Documentation française / Gisèle Freund Foto: Andreas Abendroth: Foto: Portrait_by_Ludwig_Sigismund_Ruhl

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