20 Alljährlich befindet sich Rudolstadt Anfang Juli im Ausnahmezustand: Musik aus aller Welt erklingt in Straßen, Gassen, Höfen und auf Plätzen – auf mehr als 30 Bühnen. Künstlerinnen und Künstler aus über 40 Ländern tre en aufeinander, rund 300 Konzer e finden an vier Festivaltagen sta . Rund 90.000 Festivalgäste erleben dabei ein einzigar iges Zusammenspiel aus Musik, Tanz und Begegnung. Ergänzt wird das Programm jedes Jahr durch einen besonderen Länderschwerpunkt, Tanz- und Gesangsworkshops, Symposien sowie die Verleihung des Weltmusikpreises „Ruth“. Das Rudolstadt-Festival – Deutschlands größtes Folk-, Roots- und Weltmusikfestival – blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Seine Ursprünge reichen bis ins Jahr 1955 zurück, als in Rudolstadt erstmals das „Fest des deutschen Volkstanzes“ sta and. Es war ein gesamtdeutsches Fest, zu dem 50 Gruppen aus dem westlichen und 110 Gruppen aus dem östlichen Teil Deutschlands anreisten. Mit dem Mauerbau 1961 endete die Zeit des gesamtdeutschen Festivals. Die Tanzfeste in Rudolstadt aber lebten weiter. Zwischen 1955 und 1989 fanden insgesamt 25 Tanzfeste sta . 1963 folgte das „1. Fest des Liedes und des Tanzes auf Kreisebene“, 1965 das „1. Tanz- und Musikfest des Bezirkes Gera“. 1969 wurde die Veranstaltung schließlich in „Tanzfest der DDR“ umbenannt – ein Name, der bis zur politischen Wende 1989 Bestand ha e. Schon damals war das Fest weit mehr als eine reine Tanzveranstaltung. Neben Tanzgruppen standen Blasorchester, Fanfarenzüge, Musik-Combos und Volkschöre auf den Bühnen. So en wickelte sich das Tanzfest zu einer face enreichen Veranstaltung und zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Rudolstadt. Nach der Wende stand der Stadtrat vor der Frage, wie es mit dem traditionsreichen Tanzfest weitergehen sollte. Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe begeister er Folk-Musiker und -Liebhaber wurde innerhalb von nur sechs Monaten ein neues Konzept en wickelt. Der neue Name: „Tanz & FolkFest“. Die Idee dahinter war, „Gutes vom Alten zu bewahren, spannendes Neues hinzuzufügen“. Beschränkungen sollten keinen Platz haben. Sta dessen sollte das Festival die ganze Bandbreite dieses Musiksektors zeigen: Folk und Weltmusik, Bühnen- und Mitmachtanz, Konzer e und Workshops, Lautes und Leises – ein fröhlicher Spielplatz der Musikkulturen dieser Welt. Der Er olg des ersten Festivals war überwältigend. Bereits 1992 entschied die Stadt, das Fest kün ig jährlich zu veranstalten. Ein Jahr später erhielt es den Namen „TFF.Rudolstadt“. Mit den Jahren wuchs das Festival kontinuierlich und erarbeitete sich einen besonderen Ruf als internationales Aushängeschild für „Global Sounds, Roots und Weltmusik“. 2016 erhielt es schließlich seinen bis heute gültigen Namen: „Rudolstadt-Festival“. Heute zieht das Rudolstadt-Festival Besucherinnen und Besucher aus aller Welt an. Es steht für musikalische Vielfalt, leise Momente und o ene Begegnungen, die berühren und verbinden. Künstlerinnen und Künstler finden hier eine Bühne für ehrliche, intensive Musik ebenso wie für ungewöhnliche und überraschende Klänge. Für vier Tage wird die gesamte Stadt zur Bühne. Rudolstadt wird zu einem Or , an dem Musik auf Menschen, Kulturen und Geschichten tri – und an dem Begegnung ganz selbs verständlich wird. Gerade in einer Zeit, in der gesellscha licher Zusammenhalt und gegenseitiger Respekt wichtiger denn je sind, setzt das Festival ein starkes Zeichen für ein friedliches und welto enes Miteinander. Andreas Abendroth Fotos: Andreas Abendroth Roots, Folk und Weltmusik
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