Heimat | Winter | 2025

Einfach mal hinsetzen und innehalten! Issum. Zuerst aus den Schuhen schlüpfen, dann die Hände flach vor der Brust zusammenbringen, den Kopf leicht zum Boden senken und eine leichte Verbeugung andeuten. Anschließend betritt Ute WeskyBehmenburg langsam den Meditationsraum, in dem sie wöchentlich zum Zenkreis einlädt. Und das ist eine Besonderheit am Niederrhein! Dabei hat regelmäßiges Meditieren eine heilsame Wirkung, kann in stressigen Situationen zu innerer Ruhe verhelfen. Das weiß die 62-Jährige nur allzu gut, immerhin hat sie es durch den Zen aus einer Krise herausgeschafft. Damals war ihr Mann schwerkrank, ihre Kinder noch klein, ihr Haus riesig und ihr Job als Lehrerin stressig. „Ich stand kurz vor dem Burnout“, erzählt Ute Wesky-Behmenburg. Doch dann erinnerte sie sich an ihre Studienzeit, als sie Zenmeditationen ausprobiert hatte... „Das war ein Segen für mich!“ Sie besuchte Als sie mitten in einer Krise steckte, fand Ute Wesky-Behmenburg zur Meditation ab sofort wieder eine Meditationsgruppe in Geldern, fuhr außerdem mehrmals im Jahr zu einer Zengemeinschaft in Steyerberg. „Ich habe gemerkt, wie gut mir das tut“, sagt sie. „Die Stürme des Lebens sind die gleichen, aber man entwickelt eine andere Haltung dazu und fühlt sich nicht mehr davon hin- und hergerissen.“ VON SARA SCHURMANN Typisch Niederrhein Japanische Tradition Das Wichtigste dabei: „Die Kontinuität“, betont die 62-Jährige. Das ist auch der Grund, weshalb sie vor knapp zehn Jahren den Zenkreis Niederrhein gegründet hat. Seitdem trifft sich die Gruppe jeden Mittwoch in ihrem Raum, der in japanischer Tradition eingerichtet ist: minimalistisch, funktional, stilvoll. An den Wänden hängen Kalligrafien, deren Bedeutungen sie natürlich gleich benennen kann: „Der wahre Mensch“, steht beispielsweise dort drüben geschrieben. „Das beruht auf der Annahme, dass jeder einen authentischen Kern hat, an den man durch die Zenmeditation versucht heranzukommen.“ Auf einem Tisch befindet sich eine Buddhafigur, außerdem Räucherstäbchen und ein Blumenstrauß. Wobei Letzteres viel mehr als das ist... „Das ist ein Ikebana-Gesteck“, erklärt Ute WeskyBehmenburg. „Das gehört zu den Zenkünsten.“ Seite 30 „Wenn man sitzt, merkt man erstmal, wie viel man eigentlich denkt.“ Ute Wesky-Behmenburg

RkJQdWJsaXNoZXIy MjExNDA4