11 GRUNEWALDTURM Bevor die Alliierten die Trümmer Berlins zum Teufelsberg aufschütten ließen, war der Karlsberg eine der höchsten Erhebungen im Grunewald – nur übertroffen vom Havelberg. Bekrönt wurde der Aussichtspunkt seit 1899 vom Kaiser-Wilhelm-Turm, später in Grunewaldturm umbenannt – von Beginn an eine Attraktion und Besuchermagnet allererster Güte. „Im Laufe der ersten acht Monate nach seiner Eröffnung wurde der Turm von 91.000 zahlenden Personen bestiegen,“ weiß 1902 H. Berdrows Standard-Wanderführer „Der Grunewald“ zu berichten. Dreimal mehr als erwartet. Bis heute ist der zu Ehren Wilhelm I. – preußischer König und erster deutscher Kaiser – errichtete Turm ein beliebter Anziehungspunkt am Ufer der Havel. Doch in jüngster Vergangenheit standen die Besucher nicht selten vor verschlossenen Toren. Jahrelang musste der Backsteinbau nach einer Überprüfung seiner Wandeltreppe wegen maroder Bausubstanz baufällig geschlossen bleiben. Der Ausfall belastete auch die Pächter des Ausfluglokals an seinem Fuße. Die wichtigsten Infos zu dem ehemaligen Lost Place. Wo liegt der Grunewaldturm genau? Der Turm liegt an der Havelchaussee 61 im Ortsteil Grunewald des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: F5HW+7P Berlin. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Turm am besten mit der Buslinie 218 (Haltestelle Grunewaldturm) zu erreichen, der als Ausflugslinie im Stundentakt zur Pfaueninsel pendelt. Von der Station ist es ein etwa zweiminütiger Fußweg bis zum Fuße des Turms. Am Grunewaldturm befinden sich Parkplätze. Ausgangslage: Huldigung an die Hohenzollern im Landkreis Teltow Mitten im Forst des Grunewald überragt ein roter Backsteinbau meterhoch die umgebenden Baumwipfel. Seinen Ausgang nahm das Berliner Wahrzeichen im Stil der märkischen Backsteingotik mit einem Beschluss im Kreistag Teltow – das damals noch vor den Toren Berlins lag. Der Landrat Ernst Leberecht von Stubenrauch (1853–1909), der auch als Initiator des Teltowkanals gilt, unterbreitete 1897 den versammelten Kreisräten den Vorschlag, dem Hohenzollerngeschlecht ein Denkmal zu setzen. Genauer: Eine posthume Ehrung für den einhundert Jahre zuvor geborenen preußischen König und ersten deutschen Kaiser Wilhelm I. (1797–1888), der neun Jahre zuvor verstorben war. Kein ungewöhnliches Unterfangen im kaiserzeitlichen Deutschen Reich, dessen Kreis- und Landtage sich mit architektonischen Huldigungen und Anbiederungen an das regierende Adelsgeschlecht einen regelrechten Überbietungswettkampf lieferten. Da wollte Teltow nicht nachstehen. Der Kreistag beschloss den Bau eines prunkvollen Turms, dessen Grundsteinlegung noch im selben Jahr erfolgte. Als Ort wurde der sich 78 Meter über den Meeresspiegel erhebende Karlsberg im Grunewald auserkoren. Grunewaldturm: Errichtung und Einweihung Ende des 19. Jahrhunderts Als Architekt verpflichtete der Landkreis den zu jener Zeit sehr gefragten Baumeister Franz Schwechten (1841– 1924). Der Königliche Baurat hatte bereits mit zahlreichen beeindruckenden Bauten auf sich aufmerksam gemacht – darunter: das Merseburger Ständehaus, die Schultheiss-Brauerei in der Schönhauser Allee und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Charlottenburg. Für den Aussichts- und Gedenkturm im Grunewald legte Schwechten Pläne im Stil der sogenannten märkischen Backsteingotik vor, die von mittelalterlichen Burgen- und Kirchenbauten inspiriert war. Die Verwendung zahlreicher schmückender Zierelemente wie Zinnen, Spitzbogenfenster und Türmchen verliehene dem Bauwerk am Ufer der Spree eine entrückte, märchenhafte Wirkung. Nachdem der Baugrund bereitet, die Kuppe des Karlsbergs gerodet und planiert sowie ein Kiesfundament geschaffen worden war, begannen noch 1897 die Bauarbeiten. Zwei Jahre später wurde der Turm am 9. Juni 1899 feierlich eingeweiht. Nur ein Glückwunschtelegramm sorgte für Verwirrung. Kaiser Wilhelm II. gratulierte zur Fertigstellung des „Kaiser-Wilhelm-Turmes“ und verkürzte damit die eigentliche Widmung an König Wilhelm I. Der Name blieb haften – bis der Berliner Senat 1948 den Turm verbürgerlichte und kurzerhand zum Grunewaldturm erklärte. Grunewaldturm: So war der Turm konzipiert Der im quadratischen Grundriss ausgeführte, 55 Meter hohe Grunewaldturm erhebt sich auf einer vier Meter hohen sandsteinverblendeten Basis aus rötlichem Rochlitzer Porphyr, zu der eine breite Freitreppe hinaufführt. Das Sockelgeschoss des Turmes birgt eine Gedenkhalle, zu der sich ein großes Portal von der Ostseite der umlaufenden Basis hin öffnet. Der untere Teil des Bauwerks wird durch ein Geschoss mit vier Treppentürmchen abgeschlossen. Darüber steigt der sich verjüngende, mit Weihinschriften und Wappen versehene Turmschaft auf. 1899 eröffnet und 55 Meter hoch, bietet der auf einer Anhöhe gelegene Grunewaldturm einen wunderbaren Ausblick über Wälder und Seen. Foto: Unbekannt | Unbekannt
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