12 GRUNEWALDTURM Im Inneren mündet eine eiserne Treppenanlage nach 204 Stufen in die als Aussichtsplattform dienende offene Halle in 36 Metern Höhe, die einen fantastischen kilometerweiten Ausblick über die Havel und den Grunewald bietet. Bei gutem Wetter schaut man von hier oben bis nach Potsdam. Die Ausstattung der Ehrenhalle wurde Anfang des 20. Jahrhunderts ergänzt. Im Zentrum der Halle befindet sich ein überlebensgroßes Standbild Wilhelms I., das von Ludwig Manzel (1858–1936) 1902 geschaffen wurde. Der Bildhauer und Eisengießer formte ebenfalls die Eisenguss-Reliefplatten in den Ecken der Gedenkhalle. Sie zeigen die Feldherren Roon, Moltke, Bismarck und Prinz Friedrich Karl. An der Decke der kuppelgekrönten Gedenkhalle befinden sich neobyzantinischen Mosaiken aus der Werkstatt Puhl & Wagner. Es handelt es sich um ein Frühwerk des Kirchenmalers August Oetken (1868–1951). Die Inschriften an den Turmaußenseiten lautet: „Koenig Wilhelm I. zum Gedaechtniss“ an der Ostseite und „Der Kreis Teltow baute mich 1897“ an der Westseite. Darüber befinden sich Wappen: Das der Havel zugewandte Wappen zeigt den roten brandenburgischen, das dem Wald zugewandte den schwarzen preußischen Adler. Grunewaldturm: Beliebtes Ausflugslokal am Fuße des Turms Früh etablierte sich an der Besucherattraktion im Grunewald eine Schankwirtschaft, die durstige und hungrige Wanderer nach ihren Uferpartien an der Havel oder Ausflügen im Grunewald versorgte. Im Winter konnte an den Abhängen der Umgebung gerodelt und sogar Ski gefahren; im Sommer der Blick vom Turm genossen werden. Der Aufstieg für Kinder blieb mit Kosten von 5 Pfennig für das Ticket überschaubar. Auf der überdachten Terrasse oder im Garten servierte der Pächter des Turm-Restaurants Bier und Kaffee, im Schankraum wurden Speisen serviert. Auch Ausflugsboote und Bustouren steuerten in den 1920er-Jahren „Saewerts“-Turmgaststätte an, die mitsamt des „Kaiser-Wilhelm-Turms“ seit dem Groß-Berlin-Gesetz von 1920 auf hauptstädtischem Boden lag. Im Zweiten Weltkrieg nicht nennenswert beschädigt, setzte sich der Schankbetrieb auch in der Nachkriegszeit fort. Der Ortsteil Grunewald gehörte jetzt zum britischen Sektor. Von der Aussichtsplattform des seit 1948 Grunewaldturm genannten Bauwerks konnte man das Treiben im sowjetischen Sektor und später der DDR überblicken. 1953 wurden größere Instandsetzungen am Grunewaldturm vorgenommen – deren Mängel und grundlegende Fehler in der Planung und Bauausführung sich erst Jahrzehnte später offenbaren sollten. Grunewaldturm: Alte Tradition des Vier-Fenster-Blicks Mehr als fünf Jahrzehnte lang blieb der frischsanierte Turm und sein pächtergeführtes Restaurant beliebter Anlaufpunkt für erholungssuchende (West-) Berliner und erlebnishungrige Besucher der Spreemetropole. Der Biergarten am Fuße des Turms erweiterte sich nach den Zeitbedürfnissen. Spätestens seit den 1980er-Jahren fanden Besucher hier auch eine Minigolfanlage, auf der man unter den wachsamen Augen der Statue Wilhelms I. einlochen durfte. Bot sich Seglern auf der Havel der sogenannte Vier-Fenster-Blick, bei dem alle Fenster des Turms – die hinteren durch die vorderen – zu sehen sind, wurde nach alter Tradition angestoßen. In den 2000er-Jahren offenbarten sich dann die alten Bausünden an Berlins Wahrzeichen im Wald. Bei einer Routinebegehung im Zuge eines Gutachtens zum Denkmalschutz des Turms 2007 wurde der Senatsbehörde schwere Schäden am Treppenaufgang gemeldet, die auf eine fehlerhafte Treppenkonstruktion zurückgingen. Sie sei falsch eingebaut und erzeuge „Gewölbedruck“. Die Turmsanierung 1953 habe diesen „grundlegenden Fehler“ außer Acht gelassen. So wurden die 204 Stufen zur Aussichtsplattform allmählich zum Sicherheitsrisiko. Risse zogen sich durch die Betonböden der Adresse: Havelchaussee 61, 14193 Berlin-Grunewald Geschichte: Zwischen 1897 und 1899 als Ehrenmal für den preußischen König und deutschen Kaiser Wilhelm I. nach Plänen des Architekten Franz Schwechten (1841–1924) errichtet; 1953 umfangreich saniert; ab 2007 wegen Baufälligkeit geschlossen Führungen: Der Grunewaldturm ist zugänglich. Hier erhalten Sie mehr Informationen zu aktuellen Öffnungszeiten und Eintrittspreisen: info996594.wixsite.com/ website Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09046482 Status: Ehemaliger Lost Place. Ende 2011 wurde der Turm nach grundlegender Sanierung wiedereröffnet. Nach Insolvenz des Pächters 2019 im Folgejahr erneut wiedereröffnet. DAS SIND DIE FAKTEN ZUM GRUNEWALDTURM IM ÜBERBLICK: Ansicht des Turms und der Umgebung. Luftaufnahme, nach 1934. Foto: picture alliance / akg-images | akg-images
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