18 GEISTERSTADT In West-Berlin errichtete die US-Armee eine legendäre Geisterstadt – und trainierte dort den Krieg im Stadtgebiet. Die wichtigsten Infos. HIER PROBTEN DIE USA DAS HORRORSZENARIO DES DRITTEN WELTKRIEGS Schwerbewaffnete GIs durchkämmen den Südwesten Berlins, US-Panzer nähern sich dem Todesstreifen an der Grenze zur DDR, der Bahndamm wird gesichert, Soldaten besetzen die Hochposten der Kirche und des Rathauses – was wie eine Horrorszene aus der Zeit des Kalten Krieges klingt, als die Spannungen zwischen Ost und West im geteilten Berlin jederzeit hätten eskalieren können, war ein alltägliches Szenario. Seit den 1950er-Jahren bezog die US-Armee ein Gelände in Lichterfelde Süd zwischen der Thermometersiedlung und der Grenze zur DDR. Auf dem Truppenübungsplatz „Parks Range“ trainierte sie mit schwerem Gerät. Es gab sogar eine Häuserkampfanlage, die legendäre Geisterstadt „Doughboy City“. Die wichtigsten Infos zu dem Lost Place. Wo lag der Truppenübungsplatz Parks Range genau? Der Truppenübungsplatz „Parks Range“ befand sich im äußersten Süden des Ortsteils Lichterfelde im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Das Areal von Parks Range bildete eine fünfseitige Fläche, deren südlichste Spitze das Dreiländereck zwischen Berlin, TeltowFläming und Potsdam-Mittelmark war, das heutige Japaneck. Zwei Seiten im Südosten und im Südwesten führten entlang der Stadtgrenze und grenzten unmittelbar an die DDR an. Im Osten wurde der Platz von der Osdorfer Straße begrenzt – bis zu einer Höhe ungefähr auf halber Strecke zwischen DDR-Grenze und dem Lichterfelder Ring – und im Westen von der S-Bahntrasse bis rund 150 Meter südlich der Réamurstraße. Der Truppenübungsplatz war in WestBerliner Stadtplänen nicht verzeichnet. Wer sich Details zur Bebauung ansehen möchte, wird aber auf der Internetseite berlin-brigade.com fündig – dort gibt es einen Plan von Parks Range. Die Geisterstadt „Doughboy City“ lag ungefähr mittig auf dem Areal. Die Google-Koordinaten für das Objekt lauten C848+85 Berlin. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Areal des ehemaligen Truppenübungsplatzes am besten über die S-Bahnstation Lichterfelde Süd (S25, S26) zu erreichen. Achtung: Es handelt sich um Privatgelände. Das Areal ist umzäunt. Ein Betreten ist nicht erlaubt. Ausgangslage: Eine Demonstration der Stärke in Lichterfelde Süd Rücktritt der Regierung, freie Wahlen und Freilassung aller politischen Gefangenen – so lauteten einige der Forderungen, mit denen sich die DDR-Führung des vier Jahre zuvor gegründeten „Arbeiter- und Bauernstaats“ im Sommer 1953 konfrontiert sah. Die Antwort: Sowjetische Panzer. Die Demonstrationen, Proteste und Streiks, die das DDR-Regime seit Tagen alarmierten, wurden am 17. Juni 1953 durch Truppen der Sowjetarmee im Verbund mit DDR-Polizeikräften blutig niedergeschlagen. In der Folge verschärften sich die ohnehin schon angespannten Beziehungen zu den alliierten Partnern: Der Kalte Krieg ging in eine seiner heißeren Phasen. In den USA ging man von einem Trick aus: In der Verlagerung von bewaffneten Verbänden infolge des Aufstandes nach Ostberlin sahen Militärexperten die Vorbereitung zur Einnahme der ganzen Stadt. In der Abschreckungslogik des Ost-West-Konflikts musste ein Signal der Stärke Richtung Osten gesandt werden. Eine der Folgen: Die USArmee beschlagnahmte ein 72 Hektar großes Areal in Lichterfelde Süd und richtete dort den Truppenübungsplatz „Parks Range“ für die Berlin Brigaden ein. In Sichtweite von DDR-Grenzern sollte die militärische Schlagkraft der in Berlin stationierten Einheiten demonstriert werden. Parks Range: Die Vorgeschichte des brachliegenden Bahngeländes Das Bahngelände im äußersten Süden Lichterfeldes hatte bereits zuvor im Schlaglicht der Geschichte gestanden: Noch 1938 – kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs – hatte die NS-Führung auf dem ländlich geprägten Areal an ihren Plänen für die „Welthauptstadt Germania“ gewerkelt. Für die NordSüdachse sollte in Lichterfelde Süd ein riesiger Bahnknoten entstehen, samt überdimensionierten Lokomotivwerk,
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