Berliner Morgenpost Club | Lost Places Berlin | Teil 2

27 STEGLITZER KREISEL Foto: FUNKE Foto Services | Joerg Krauthoefer Hoffen und Bangen um Berlins bekanntestes Hochhaus-Skelett: Seit Jahren steht der ehemals vom Bezirksamt genutzte Wolkenkratzer Steglitzer Kreisel leer, nachdem die letzten Mitarbeiter nach Asbestfunden ausziehen mussten. Der Bezirk hatte Schwierigkeiten, die Problemimmobilie loszuwerden und zahlte Jahr für Jahr Hunderttausende Euro an laufenden Kosten für seine ungeliebte Turmruine – bis ein Investor die Wende versprach und sich dem Hochhaus annahm. Das Versprechen: der Umbau zum Appartement-Hochhaus „ÜBerlin“. Doch bis heute steht die entkernte Bauruine ohne Fassade wie ein hohler Zahn am Rathaus Steglitz. Die wichtigsten Infos zur skandalreichen Geschichte des Lost Place an der Schloßstraße. Wo liegt der Steglitzer Kreisel genau? Der Steglitzer Kreisel liegt in der Schloßstraße 78–82 im Ortsteil Steglitz im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man den Turm am besten vom S- und U-Bahnhof Rathaus Steglitz (S1, U9) aus, der direkt an der Grundstücksecke des Steglitzer Kreisels liegt, beziehungsweise mit den Buslinien 170, 186, 188, 282, 283, 284, 285, 380, N9, N88, M48, M82, M85, X83 (Haltestelle Rathaus Steglitz). Das Betreten der Baustelle ist nicht erlaubt. Ausgangslage: Der Steglitzer Kreisel wirft seinen Schatten voraus Das heutige Grundstück des Steglitzer Kreisels war früher der südliche Teil des Gutsdorfs Steglitz (ehemals Stegelitz). Es befand sich in einer abgelegenen Randlage vor den Toren der Stadt Berlin. Noch bis zum Zweiten Weltkrieg war das Areal landwirtschaftlich geprägt – mit der Gastwirtschaft Albrechtshof und einem 1912 eröffneten Kino, das bis in die Nachkriegszeit betrieben wurde. In den 1960er-Jahren wurden alle Gebäude auf dem Terrain abgerissen – sie mussten für die Baustelle des Steglitzer Kreisels weichen: einem gigantischen Neubauprojekt für Westberlin, dessen schwindelerregende Ausmaßen nur von den Dividendenhoffnungen der Bauherren und Anleger übertroffen wurde. Seit Mitte der 1960er-Jahre plante der Berliner Senat, dass sich in Steglitz zwei U-Bahn-Linien kreuzen sollten: die U9 und die nie realisierte U10. Für die Bebauungspläne interessierte sich auch die Architektin Sigrid Kressmann-Zschach, kurz „SKZ“, eine der schillerndsten und skandalträchtigsten Figuren der Berliner Baugeschichte. Sie erwarb über Scheinfirmen die Optionen zum Kauf privater Grundstücke an dem Standort und trommelte beim späteren Kanzleramtschef Horst Grabert (SPD) für ihre Pläne der Errichtung eines Einkaufzentrums und eines riesigen Wolkenkratzers nahe des geplanten U-Bahnkreuzes. Schon bald sollte die Baustelle aufgrund dubiosen Finanzgebarens in die Schlagzeilen der bundesdeutschen Presse geraten. Steglitzer Kreisel: So war die Anlage über dem U-Bahnhof konzipiert 1968 war der Bauplatz planiert, die Arbeiten an dem Bauensemble konnten beginnen und der Grundstein für den knapp 120 Meter hohen Hochhausturm wurde verlegt – einem der höchsten Gebäudeprojekte Berlins. In das Verwaltungsgebäude mit 30 Etagen und rund 48.000 Quadratmetern Nutzfläche sollten – so der Plan – nach der Fertigstellung Büros und ein Einkaufszentrum einziehen. Allein der Rohbau des Bauwerks war einige zehntausend Tonnen schwer und wurde für viele Berlinerinnen und Berliner im Südwesten zu einem Wahrzeichen der Stadt. Am Fuße des Riesen entstand außerdem ein Sockelgebäude, das ein Parkhaus, ein Hotel, mehrere Einzelhandelsgeschäfte und einen ganzen Busbahnhof mit U-BahnZugang aufnehmen sollte. Steglitzer Kreisel: Finanzskandale erschüttern das Hochhausprojekt Das Projekt geriet schon bald nach Baubeginn durch immer weiter steigende Baukosten in die Schlagzeilen.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjExNDA4