29 STEGLITZER KREISEL Adresse: Schloßstraße 78–82, 12165 Berlin-Steglitz Geschichte: Zwischen 1968 und 1980 nach Plänen der Architektin Sigrid KressmannZschach (1929–1990) errichtet; bis 2007 durch das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf genutzt; danach Leerstand Führungen: Der kommerzielle Anbieter Stadtreisen Berlin bietet für Gruppen eine geführte Tour rund um das Hochhaus an. Denkmalschutz: Nein Status: Lost Place. 2017 wurde der leerstehende Hochhausturm an den Unternehmer Christoph Gröner verkauft, der plante das Gebäude zu einem Wohnturm umzubauen DAS SIND DIE FAKTEN ZUM STEGLITZER KREISEL IM ÜBERBLICK: Flickwerk durch: Nur bei auftretenden Gebäudeschäden erfolgte eine Schadstoffbeseitigung, bis ein Gutachten im Oktober 2004 das ganze Ausmaß der Giftstoffbelastung offenbarte. In einer weiteren Begutachtung wurden die Kosten der Sanierung auf 75 Millionen Euro geschätzt. Der Berliner Senat beschloss 2006, das Bürohochhaus aufzugeben und die dort beschäftigten Mitarbeiter in anderen landeseigenen Immobilien unterzubringen. Wieder musste Geld in die Hand genommen werden: Umzug und nötige Umbauten verschlangen 15 Millionen Euro. Im November 2007 verließen die letzten Beschäftigten des Bezirksamtes das Gebäude und das Haus fiel in einen jahrzehntelangen Dornröschenschlaf – nur unterbrochen von der Schadstoffsanierung. Steglitzer Kreisel: Senat bleibt auf seiner Liegenschaft liegen Erneut war das weitere Schicksal des leerstehenden Turms unklar: Verkauf, Sanierung oder Abriss standen im Raum. Vergeblich hatte der damalige Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) versucht, die Liegenschaft auf dem Immobilienmarkt anzubieten. Doch die potentiellen Käufer schreckte die hohe Investitionssumme, die für die Asbestbeseitigung im Raum stand. Ein Abriss wurde ebenfalls erwogen, war in der Öffentlichkeit aber schwer vermittelbar. Angesichts der jährlichen Kosten von rund 700.000 Euro für den unbenutzten Steglitzer Kreisel wurden die Lösungsvorschläge mit der Zeit kreativer: 2010 bot der Senat den asbestverseuchten Turm, der zum Ladenhüter geworden war, auf der internationalen Immobilienmesse in Cannes an –mit mäßigem Erfolg. 2012 kam der Vorschlag ins Spiel, den Turm als Lagerhaus zu nutzen sowie eine Begegnungsstätte für jüdische Kultur mit Restaurant einzurichten. Währenddessen verfiel die Bausubstanz des zu einer modernen Ruine verkommenen Turms immer weiter. Eine Lösung musste her. Steglitzer Kreisel: Luxuswohnungen statt Büros am Himmel Berlins n den 2010er-Jahren kam die vermeintliche Rettung: Die CG Gruppe des Investors Christoph Gröner – bekannt durch großzügige Spenden an die Berliner CDU – zeigte ein Kaufinteresse an der einstigen Prestigeimmobilie. Zunächst sollte der Senat aber die Asbestsanierung für das Gebäude übernehmen. Seit 2013 wurden die krebserzeugenden Schadstoffe im Steglitzer Kreisel aufwendig beseitigt. Nachdem die letzten Arbeiten nach einigen Verzögerungen 2017 abgeschlossen werden konnten, wurde der Kauf besiegelt und die Immobilienfirma übernahm den Turm. Bereits 2015 hatte die CG Gruppe den Sockelbau des Steglitzer Kreisels gekauft und nun das ganze Bauensemble in einer Hand. Ihr Ziel: ein Umbau des Bürogebäudes zu einem Hochhaus mit knapp 330 Wohneinheiten, davon 262 im Turm und 67 in der zweiten und dritten Etage des Sockels. In den unteren Geschossen sollten eher kleine Apartments ab etwa 30 Quadratmetern für Studenten oder Singles entstehen. In den oberen Etagen des Hochhauses herrschte nach den Bauplänen dagegen purer Luxus: Penthouses sollten gutbetuchtes Klientel anziehen und jeweils mehrere Millionen Euro Kaufpreis erzielen. Für die Vermarktung wurde das Hochhaus „ÜBerlin Tower“ getauft. Steglitzer Kreisel: Sorge vor Leerstand und neuerlicher Kreisel-Pleite Bis heute soll knapp die Hälfte der geplanten Wohnungen inklusive der Edelwohnungen an der Hochhausspitze verkauft oder reserviert sein – doch auf die Schlüssel zu ihrer Wohnung warteten die hoffnungsvollen Käufer vergebens. Im Jahr 2017 machte sich die CG Gruppe daran, mit den Umbauarbeiten zu beginnen: Der Turm wurde eingerüstet, mit Bauplanen verhangen und das Gebäude bis auf das Stahlgerüst entkernt – doch die Arbeiten kamen bald ins Stocken und die Fertigstellung wurde immer weiter hinausgeschoben. In den ersten Projektskizzen war man noch von einer Umbauzeit von höchstens 24 Monaten ausgegangen. Dabei sollte die Innenräume komplett umgestaltet und die Fassade einen modernen Anstrich mit Naturstein, Glas, Beton und Stahl erhalten. Die Einweihung des neuen Wohntowers war ursprünglich für 2020 angepeilt. Doch nach anfänglichen Enthusiasmus tat sich wenig auf der Endlosbaustelle. Steglitzer Kreisel: Und wie sieht die Zukunft aus? Schließlich bewegte sich der Baukran nur noch im Wind und augenfällige Fortschritte konnten Passanten an der Umbauruine nicht mehr feststellen. Einmal mehr hatte sich der Steglitzer Kreisel von einem Hoffnungsträger zu einem Berliner Baufiasko entwickelt. Der früheste Einzugstermin wurde auf 2021 und 2022 verschoben, dann auf 2024, 2025 und jüngst auf 2026. Vor Gericht erstritten Wohnungskäufer, das die ursprünglich vereinbarten Konditionen eingehalten werden müssen. Inzwischen war die CG-Gruppe von der Consus Real Estate AG geschluckt worden, die ihrerseits in die Adler Group aufging. Diese änderte die Baupläne und versuchte die Käufer zu nachteiligen Ergänzungsverträgen zu drängen, mit der Drohung einer einseitigen Kündigung – bis sie mit dieser Praxis vor dem Landgericht unterlag. Der angeschlagene Immobilienkonzern scheint sich am liebsten komplett von dem Projekt verabschieden zu wollen. Turm und Sockel sollen verkauft werden. Die Zukunft des Bauprojekts? Ungewiss.
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