Berliner Morgenpost Club | Lost Places Berlin | Teil 2

5 rechts die Teufelsseechaussee bergauf abgebogen ist, befindet sich ein kostenloser Schotterparkplatz. Von dort sind es noch rund zehn Minuten zu Fuß bis zum Eingang des Geländes. Ausgangslage: Stationierung der US-Armee im Südwesten Berlins Die Präsenz der US-amerikanischen Besatzungsmacht in Berlin von 1945 bis zum Abzug der Streitkräfte 1994 hat das Stadtbild und das Leben der Bevölkerung geprägt. Insbesondere im Südwesten der Stadt, im Herzen des ehemaligen amerikanischen Sektors, haben Zehntausende Amerikaner über fünf Jahrzehnte ihre Spuren hinterlassen. Einer der geheimsten und geheimnisumwittertsten Standorte: die US-Abhörstation Grunewald auf dem Teufelsberg – ein Spionagezentrum, das hoch oben auf den aufgeschichteten Trümmern der Stadt entstand, um die Aktivitäten der Sowjets im Ostblock belauschen zu können. In den 1940er-Jahren hatten die Nazis genau diesen Ort als Bauplatz für die Wehrtechnische Fakultät (WTF) der Technischen Hochschule auserkoren. Einer der kolossalen Bauten des NS-Regimes für die Reichshauptstadt „Germania“. Begonnen, aber nie fertiggestellt und zu massiv, um nach dem Krieg ganz beseitigt zu werden. Die Reste der Neubauruine wurden zugeschüttet. Darüber ließen die Alliierten die Trümmer des zerbombten Berlins Schicht für Schicht zum 120 Meter hohen Teufelsberg aufschichten: ein Berliner Ski- und Rodelparadies, bis die Geheimdienste den Ort für sich beanspruchten. Hoch oben auf der Spitze des Teufelsbergs bauten die Amerikaner in den 1960er-Jahren eine riesige Anlage, die die älteren Spionagebauten der Briten ergänzte. Verborgen vor neugierigen Blicken – Deutsche hatten nur in den seltensten Fällen Zutritt – wurde die US-Anlage zu einem weißen Fleck auf den Stadtkarten Berlins – ein geheimnisvolles Spionagezentrum über den Baumkronen der geteilten Stadt. Rings um die futuristisch anmutenden Gebäude, die auf der künstlichen Erhebung thronten, herrschte militärische Sperrzone. US-Abhörstation Teufelsberg: Geheimdienst-Horchposten in Berlin Nirgendwo anders hatten sich die verfeindeten Supermächte USA und Sowjetunion so nah gegenübergestanden wie im geteilten Berlin. Jahrzehntelang stand die Abhörstation auf dem Teufelsberg an vorderster Front des Ost-West-Konflikts. Die „Field Station Berlin“, von den Alliierten „The Hill“ genannt, erlaubte durch ihre Position auf der höchsten Erhebung Westberlins einen ungehinderten Empfang von Telefon-, Funk- und Faxsignalen. Die Russen horchten vom Brocken nach Westen, die Amerikaner vom Teufelsberg nach Osten. Scherzhaft hieß es, man könne hier auch noch die elektrische Zahnbürste Breschnews hören. Die Anlage auf dem Teufelsberg war Teil des weltweiten Spionagenetzes Echelon und eine der wichtigsten der westalliierten Abhörstationen im Kalten Krieg. Mit der UKUSA-Vereinbarung 1946 hatten sich die USA und Großbritannien auf enge geheimdienstliche Kooperation verständigt. Später kamen noch Australien, Neuseeland und Kanada hinzu; die „Five Eyes“ waren aus der Taufe gehoben. Das Abkommen bildete die Grundlage für die US-Operationen auf dem Teufelsberg, der zum britischen Sektor der geteilten Stadt gehörte. US-Abhörstation Teufelsberg: Schlichte Anfänge mit Transportern und Holzhütten Die verwinkelte Struktur der einstigen Spionagehochburg war durch mehrere größere Bauphasen geprägt. Bereits seit den 1950er-Jahren hatten die Briten das Gelände zur LuftraumüberwaStationierung der US-Armee: Ein Patton Panzer der US-Armee steht am Wegesrand gegenüber eines Maschinengewehrschützen in Bereitstellung während einer Feldübung am 1962 im Grunewald in Berlin. Foto: picture alliance / dpa | dpa chung genutzt. Seit 1951 arbeitete eine kleine Gruppe von Übersetzern der zur Royal Air Force (RAF) gehörenden Signals Unit (Signaleinheit) an der Überwachung von Flugbewegung und dem Abfangen von Nachrichtenverkehr. Ein Horchposten auf dem Flugplatz Gatow, der den verschlüsselten Sprechfunk und Fernschreibverkehr abfangen und entschlüsseln sollte, wurde in den 1960er-Jahren auf den Teufelsberg verlegt. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 war die Möglichkeiten mit Agenten am Boden in Ostberlin, der DDR und Ostblockländern operieren zu können, quasi über Nacht erheblich erschwert worden und die elektronische Fernüberwachung gewann an Bedeutung. Briten und Amerikaner einigten sich auf eine gemeinsame Nutzung des Areals am Teufelsberg. Die Architektur war noch durch mobile Anlagen und temporäre Bauten bestimmt. 1961 errichteten die Briten zwei große Antennen und stationierten eine Einheit britischer Übersetzer in provisorisch zusammengezimmerten Holzhütten. Die Amerikaner verlegten erste eigene mobile Einheiten auf den Trümmerberg, deren gekoppelte Lastwagen, Container, Baracken und Antennen eine u-förmige Aufstellung bildeten. US-Abhörstation Teufelsberg: Schlichte Anfänge mit Transportern und Holzhütten Die verwinkelte Struktur der einstigen Spionagehochburg war durch mehrere größere Bauphasen geprägt. TEUFELSBERG

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