6 TEUFELSBERG Bereits seit den 1950er-Jahren hatten die Briten das Gelände zur Luftraumüberwachung genutzt. Seit 1951 arbeitete eine kleine Gruppe von Übersetzern der zur Royal Air Force (RAF) gehörenden Signals Unit (Signaleinheit) an der Überwachung von Flugbewegung und dem Abfangen von Nachrichtenverkehr. Ein Horchposten auf dem Flugplatz Gatow, der den verschlüsselten Sprechfunk und Fernschreibverkehr abfangen und entschlüsseln sollte, wurde in den 1960erJahren auf den Teufelsberg verlegt. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 war die Möglichkeiten mit Agenten am Boden in Ostberlin, der DDR und Ostblockländern operieren zu können, quasi über Nacht erheblich erschwert worden und die elektronische Fernüberwachung gewann an Bedeutung. Briten und Amerikaner einigten sich auf eine gemeinsame Nutzung des Areals am Teufelsberg. Die Architektur war noch durch mobile Anlagen und temporäre Bauten bestimmt. 1961 errichteten die Briten zwei große Antennen und stationierten eine Einheit britischer Übersetzer in provisorisch zusammengezimmerten Holzhütten. Die Amerikaner verlegten erste eigene mobile Einheiten auf den Trümmerberg, deren gekoppelte Lastwagen, Container, Baracken und Antennen eine u-förmige Aufstellung bildeten. US-Abhörstation Teufelsberg: Ab 1963 nahm die Field Station Gestalt an Die ersten dauerhaften Einrichtungen entstanden ab 1963: Das Provisorium mobiler Einheiten wurde an der Südseite mit Baracken erweitert und ein erster Betonturm mit aufblasbarer Kuppel (Radom) für eine rotierende Radaranlage ergänzte nun die Silhouette des Teufelsbergs. Daneben ließ die US-Armee einen viergeschossigen Backsteinbau, das „Comm Center“, an der Westseite sowie den freistehenden Radomturm „Arctiv Tower“ errichten. Die beiden Gebäude sind die ältesten bis heute vorhandenen Strukturen der Abhörstation. 1969 verzeichneten die Aufklärungseinheiten im Ostblock Bewegung auf dem Teufelsberg, als Kolonnen von Baufahrzeugen die nächste Bauphase einleiteten. Das Bauprogramm „Project Filman“ hatte begonnen. Viele der Gebäude entstanden, die bis heute die markante Form der Field Station bilden: das zweigeschossige britische Betriebsgebäude, das weit sichtbare dreigeschossige US-Hauptgebäude mit Turm und drei Radarkuppeln, die Verbrennungsanlage für Akten, ein Heizkraftwerk, die Transformatorenstation mit Notstromaggregaten, eine neue Messe mit Einkaufsladen und Warenhaus. US-Abhörstation Teufelsberg: Festungsanlage im Kalten Krieg der Daten Prägendes Element des Agentenbaus: die fensterlose Architektur und überdeckte oder unterirdische Verbindungstunnel. Alle Aktivitäten waren ins unsichtbare Innere der Station verlegt worden und unterstanden strengster Geheimhaltung. Die Abhörstation auf dem Teufelsberg war zu einer modernen Burg ausgebaut worden, doch noch hatte sie ihre endgültige Struktur nicht erreicht. Anfang der 1970er-Jahre entstand im Eingangsbereich ein Verwinkelte Gänge, fensterlose Gebäude und Top-Secret-Sicherheitsmaßnahmen gehörten zum Arbeitsumfeld der INSCOM-Mitarbeiter in der US-Abhörstation der US-Armee auf dem Teufelsberg in Berlin-Grunewald. Foto: picture alliance / Caro | Muhs
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