Schon mal überlegt, wohin Sie Anfang des Jahres ihre Adventsdeko hingepackt haben? Ja, es ist Zeit, sich daran zu erinnern und die Wohnung behaglich zu schmücken. Und was gehört in der Adventszeit bei vielen Menschen unbedingt dazu? Das Räuchermännchen – nach seinen erzgebirgischen Erfindern mundartlich Raachermannl genannt. Die ersten aus Holz gedrechselten Räuchermännlein in Form von munter qualmenden Pfeifenrauchern werden dem Spielzeugmacher Ferdinand Frohs und dessen Neffen Friedrich Haustein zugeschrieben, die sie etwa um 1850 herum im erzgebirgischen Seiffen herstellten. Da der Bergbau im Erzgebirge hoch angesehen war, wurde die erste Figur ein Bergmann. Mit dem Niedergang des Bergbaus durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert wechselten viele Bergleute vom Stollen ins Holzhandwerk. Es entwickelte sich daraus eine einzigartige Handwerkskunst, die Fans in der ganzen Welt hat. Aber: die allerersten rauchenden Figuren gab es schon seit den 1820er Jahren im thüringischen Sonneberg. Sie bestanden aus einer Art „Teig“ aus Schlämmkreide, Knochenleim, Roggen- oder Sägemehl. Mit Liebe zum Detail gestaltet Längst gibt es die hölzernen Räuchermännchen in hunderten Varianten – die Fantasie ihrer Schöpfer kennt kaum Grenzen. So trifft man auf der Suche nach seinem persönlichen erzgebirgischen Raachermannl nicht nur auf bekannte Klassiker wie Bergmann, Wichtel, Weihnachtsmann, sondern auf zahllose andere Zeitgenossen. Zu ihnen gehören Schneemänner, Tiere, besondere Persönlichkeiten, Holzfiguren verschiedenster Berufsbilder und Hobbys und andere… Große und kleine, traditionelle und moderne. Und als wäre das nicht schon schwierig genug, sich da zu entscheiden, gibt es auch noch Räucherhäuser, Räucheröfen, Räucherpilze sowie -kannen, Kantenhocker und noch vieles mehr. Was steckt hinter dem Brauch des Räucherns? Es ist ein uraltes, weltweit praktiziertes Ritual und diente überall ähnlichen Zwecken: Rauch – erzeugt aus den verschiedensten Substanzen – wurde oft zu spirituellen Zwecken benutzt, als flüchtiges Bindeglied zwischen Himmel und Erde, als Verbindung von Menschen mit dem Über- irdischen oder „höheren Wesen“. Es wurde aber auch zum Wohlbefinden geräuchert, um üble Gerüche zu überdecken oder um Krankheiten zu bekämpfen. Wie bei den Räuchermännchen gilt auch bei den Düften: Vielfalt ist angesagt. Neben Klassikern wie Weihrauch, der an die Gaben der Heiligen Drei Könige erinnern soll, sind Tannenduft, Sandelholz oder Zimtapfel ebenso im Angebot wie Gewürz-, Früchte- und Blumendüfte, Kaminzauber, Africa Night, Bergmannsduft, Café Latte, Lebkuchen, Drachenduft, Dampflokduft und viele andere mehr. Das Räuchern ist heute zu einem festen Bestandteil des weihnachtlichen Brauchtums geworden – denn ein schöner Duft ist Musik für die Sinne. Die liebenswerten Räuchermännchen werden im Erzgebirge per Hand in vielen Arbeitsschritten aus Vierkantholz gedrechselt und sind kunsthandwerkliche Meisterstücke. Ein Besuch im Erzgebirge zur Weihnachtszeit lässt all diese Sinne erwachen – der Duft von Holz und Weihrauch, das warme Licht der Schwibbögen, die stille Schönheit der verschneiten Landschaft. Kerrin Viererbe/str Foto: AdobeStock 22
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