RevierSport | Sonderausgabe Aufstieg FC Schalke 04

DIE MINI-KRISE HÄLT AN Das Spiel plätscherte gemütlich seinem Ende entgegen, der FC Schalke 04 führte in der 77. Minute gegen Abstiegskandidat Dynamo Dresden mit 2:0, hatte den Vorsprung nach einer bis dahin guten zweiten Halbzeit durch einen Doppelpack von Star-Stürmer Edin Dzeko herausgeschossen. Nichts deutete darauf hin, dass das Spiel noch schiefgehen könnte. Doch am Ende hieß es 2:2 (0:0), und alle Schalker fragten sich: Was war da bloß passiert? Die Mini-Krise hält an, zum fünften Mal in Folge blieb S04 ohne Sieg. Um die Trendwende zu schaffen, hatte Schalkes Trainer Miron Muslic im Vergleich zum schwachen 0:2 beim VfL Bochum gar nicht so viel verändert. Er blieb bei der Taktik mit Viererkette in der Abwehr, weshalb Hasan Kurucay trotz abgesessener Gelbsperre nicht spielte, sondern auf der Bank saß. Deadline-Day-Zugang Moussa Ndiaye debütierte auf der linken Seite (für Felipe Sanchez), Star-Stürmer Edin Dzeko ersetzte im Sturm Mika Wallentowitz. Doch ähnlich wie vor einer Woche wirkte Schalkes Spiel zäh, in der Offensive gelang nur wenig. Es gab viele, viele Rückpässe. Die abstiegsbedrohten Dresdner benötigten ein paar Minuten, um sich an die Atmosphäre zu gewöhnen. Doch mit zunehmender Spieldauer befreiten sie sich vom Schalker Druck, ihnen gelangen einige gescheite Angriffe. Allerdings fehlte ihnen die Durchschlagskraft. Höhepunkte gab es in der ersten Hälfte deshalb nur zwei. Bei allem Lob für die mutige Dresdner Spielweise: Die einzige richtig gute Chance hatte Edin Dzeko. In der 23. Minute erlief er einen zu kurz geratenen Rückpass des Dresdners Jonas Sterner, umkurvte Torwart Tim Schreiber, traf aus spitzem Winkel aber nicht das leere Tor, sondern das Außennetz. Chancen wie diese hat Edin Dzeko in seiner langen Karriere im Dutzend genutzt. Auf den Rängen sorgten die Ultras Gelsenkirchen (UGE) für einen Hingucker der anderen Art. Diesmal gab es keine Choreographie, sondern etliche Plakate gegen eine mögliche Wahl von Ex-Boss Clemens Tönnies ins Ehrenpräsidium. Einige Plakate waren beleidigend. Mehr Diskussionsstoff gab es nicht, als Schiedsrichter Tobias Welz zur Pause bat. Es stand 0:0, nicht wenige Schalker unter den 61.624 Zuschauern grummelten. Trainer Muslic reagierte und brachte den zweiten DeadlineDay-Zugang: Adil Aouchiche, wegen einer Fußverletzung angeschlagen, kam für den einmal mehr unglücklichen Christian Gomis. Stürmer Moussa Sylla, nach geplatztem New-York-Transfer zurück im Kader, blieb vorerst draußen. Zouchiche brachte dem Schalker Spiel ab der ersten Sekunde ein belebendes Element. Eins, das die Dresdner auf dem falschen Fuß erwischte. Schalke spielte in Richtung Nordkurve und direkt viel flotter. In der 48. Minute hatte Ron Schallenberg im Anschluss an eine AouchicheEcke eine gute Chance, scheiterte per Flachschuss aber an Torwart Schreiber. Vier Minuten später stand Aouchiche erneut im Blickpunkt. Nach einem Konter wurde er vom eilig nach vorn stürmenden Dejan Ljubicic angespielt. Aouchiche flankte auf halber Höhe in die Strafraummitte, dort stand Dzeko und verwandelte per Volleyschuss. Mag der Torjäger-Routinier eine Chance vergeben: eine zweite nutzt er meistens aus. Schalke führte 1:0, Aouchiche hatte nach nur wenigen Minuten die Herzen der Fans erobert. Für die Schalker war dieser Vorsprung ein Geschenk. Sie bestimmten das Spiel nun nach Belieben. Nur kurz nach der Führung hätte Timo Becker beinahe das zweite Tor folgen lassen. Doch sein Schuss sauste nur Zentimeter am linken Torpfosten vorbei. In der 70. Minute, Dzeko stand kurz vor seiner Auswechslung, folgte dann der nächste große Moment des Stürmers: Nach einer kurzen Ablage von Soufiane El-Faouzi erhöhte er mit einem satten Rechtsschuss auf 2:0. Momente wie diese hatte sich Schalke erhofft, erträumt. Die Entscheidung? Nein, in der 78. Minute wurde es wie aus dem Nichts plötzlich wieder spannend. Der Dresdner Alexander Rossipal hatte den Ball in den Schalker Fünfmeterraum geschlagen, dort prallte er von der Brust Hasan Kurucays ins eigene Tor - 2:1. Es wurde nun ein offener Schlagabtausch. Erst vergab der für Dzeko eingewechselte Moussa Sylla freistehend die dicke Chance zur Entscheidung (87.), im Gegenzug fiel der Ausgleich, der die Arena verstummen ließ. Nach einer direkt aufs Tor gezogenen Ecke erwischte Torwart Loris Karius den Ball nicht, Thomas Keller köpfte ihn aus kurzer Distanz über die Linie. Ein Eigentor, eine Standardsituation: Das reichte, um die beste Deckung der Zweiten Liga zu bezwingen. Und beim 2:2 blieb es auch nach elf Minuten Nachspielzeit. FC SCHALKE 04: Karius - Ndiaye (76. Kurucay), Ayhan, Katic, T. Becker - Ljubicic, Schallenberg (81. Sanchez), El-Faouzi, Gomis (46. Aouchiche), Karaman - Dzeko (71. Sylla) DYNAMO DRESDEN: Schreiber - Rossipal, Keller, Pauli, Sterner (74. Faber) - Amoako, Herrmann, Lemmer (66. Fröling), Hauptmann (66. Bobzien), Ceka (74. Kutschke) - Daferner (57. Vermeij) TORE: 1:0 Dzeko (52.), 2:0 Dzeko (70.), 2:1 Kurucay (78., Eigent.), 2:2 Keller ZUSCHAUER: 61.624 SCHIEDSRICHTER: Tobias Welz AUFSTELLUNG TABELLE – 21. SPIELTAG 1. SV Darmstadt 98 41 40-22 2. FC Schalke 04 40 26-16 3. SC Paderborn 07 39 33-24 4. SV 07 Elversberg 38 37-23 5. Hannover 96 38 38-28 6. Hertha BSC Berlin 34 28-20 7. 1. FC Kaiserslautern 31 35-31 8. VfL Bochum 27 30-27 9. Karlsruher SC 27 30-37 10. 1. FC Nürnberg 26 24-30 11. Arminia Bielefeld 24 33-30 12. Holstein Kiel 24 26-29 13. Fortuna Düsseldorf 24 20-31 14. Eintracht Braunschweig 24 23-35 15. 1. FC Magdeburg 23 31-37 16. Preußen Münster 22 25-32 17. Dynamo Dresden 21 31-38 18. SpVgg Greuther Fürth 19 32-52 21. SPIELTAG: S04 - DYNAMO DRESDEN 2:2 Schalke-Trainer Miron Muslic lässt seinen Frust raus. FOTO: FIRO

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