Berliner Morgenpost Club | Lost Places Berlin | Teil 2

13 GRUNEWALDTURM Biergarten und Restaurant schlossen 2019 nach Insolvenz des Pächters, konnten aber bereits 2020 wieder unter neuer Führung geöffnet werden Foto: picture alliance / imageBROKER | Schoening Stufen, die Eisenverankerungen machten einen maroden Eindruck. Wird das Bauwerk zur Endlosbaustelle? Mängelliste reißt nicht ab Der Turm wurde im Oktober 2007 geschlossen. Das Ziel: eine schnelle Sanierung des Treppenhauses und Wiedereröffnung im Frühjahr 2008. Gerade rechtzeitig, um den von den Berliner Forsten just an den neuen Pächter Björn Hansow vergebenen Grunewaldturm samt Restaurant und Biergarten an seinem Fuße einen guten Start zu ermöglichen. Daraus wurde nichts. Die 2007 einsetzende Sanierung des denkmalgeschützten Baus offenbarte immer neue Baumängel. Die Liste der festgestellten Defekte riss nicht ab. Die Standsicherheit der Treppe und der Brandschutz im Treppenaufgang waren nicht gewährleistet. Aus der Turmfassade lösten sich Klinkerteile und fielen auf die Terrasse herab. Die Fassade musste eingerüstet und saniert werden, die Turmkrone auf einer Länge von rund acht Metern vollständig abgetragen und neu wiederaufgebaut werden. Am Terrassenboden führten Undichtigkeiten bei Regen zu Wassereinbrüchen im darunterliegenden Sockelgeschoss. Überall, wo Sachverständige und Ingenieure zu lange hinschauten, fielen neue Sicherheitsmängel, Bauschäden oder unsachgemäße Überbauungen auf, wie an der Terrasse, an der die historischen Böden mit Betonplatten und Abdichtschichten überdeckt worden waren. Grunewaldturm: Turm schließt erneut – Pächter geht in die Insolvenz Erschwerend kam hinzu, dass der Turm seit Anfang der 1990er-Jahren als Mobilfunkstandort genutzt worden war. Die dafür vorhandene Technik musste ebenfalls erneuert und die generelle Funktionsfähigkeit während der Sanierung gewährleistet bleiben. Die Elektroschränke aus dem Treppenaufgang verlegte man in das Sockelgeschoss. Der Antennenwald auf der Turmkrone wurde neu geordnet und reduziert. Zu Ostern 2011 – drei Jahre nach dem ursprünglich angepeilten Fertigstellungstermin – konnten die ersten Besucher den runderneuerten Grunewaldturm wieder besteigen. Doch für den Restaurantbesitzer riss der Ausfall durch ausbleibende Turmbesucher in den ersten Jahren seiner Pacht eine Lücke in die Finanzplanung. Im Herbst 2019 standen Besucher erneut vor verschlossenen Toren. Statt die Aussicht von der Turmplattform genießen und die Speisekarte im Grunewaldturm-Restaurant inspizieren zu können, fanden sie einen Zettel angehangen, mit dem sich das Team für zehn Jahre Treue bei den Gästen bedankte. Im Biergarten standen Stühle herrenlos herum. Dazwischen lag ein zurückgelassener Sonnenschirm verloren herum. Der Betrieb hatte Insolvenz angemeldet – und auch der Grunewaldturm konnte nicht bestiegen werden, weil das Restaurant diesen mit bewirtschaftet und die Eintrittskarten verkauft hatte. Würde der Turm erneut auf Dauer gesperrt zu einem verlorenen Wahrzeichen Berlins verkommen? Grunewaldturm: Wie sieht es aktuell um den Turm aus? Die Berliner Forsten als Vermieter des Turms sowie des Restaurants reagierten schnell. Im Januar 2020 konnte ein neuer Pächter für das historische Ensemble gefunden werden und bereits zu Ostern desselben Jahres der Betrieb am Turm wiederaufgenommen werden. Seitdem beherbergt der Kaisergarten am Grunewaldturm mit Bistro und Biergarten einkehrende Besucher und auch der Grunewaldturm kann wieder erkundet und bestiegen werden. Das Restaurant am Grunewaldturm hat eine kleine, aber feine Speisekarte mit regionalen Spezialitäten. Zu den Sommermonaten wird der Biergarten geöffnet und lockt Ausflügler an den Fuß des alten „Kaiser-Wilhelm-Turms“ – gute Nachrichten für das beliebte Denkmal, das seine jüngste Pannenserie vorerst überstanden zu haben scheint.

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