Berliner Morgenpost Club | Lost Places Berlin | Teil 2

22 GEISTERSTADT Mit Liebe zum Detail wurde der Bahnhof mit Sitzbänken, Zugabfertigungshäuschen und Treppenaufgängen auf freiem Feld errichtet. Auf einem aufgeschütteten Gleisstück von vielleicht 70 Meter Länge wurde sogar ein ausrangierter U-Bahn-Waggon aufgestellt, der zugleich bei den Operationen als Befehlsstand diente. Parks Range: Sonntäglicher Kriegslärm verärgerte die Anwohner Ein ums andere Mal drückten sich während der Manöver Infanteristen an die schützenden Ecken der Betonhäuser, sicherten Kreuzungen und Hauseingänge. Panzer rollten durch die Geisterstadt, immer achtsam die unbewohnten Hausfenster im Blick zu behalten, hinter denen sich Panzerfaust-Schützen verbergen konnten. Im Süden der Geisterstadt schloss sich das hügelige Gefechtsgelände für Kettenfahrzeuge an. Panzer- und Gewehrschüsse hallten über die weiten Flure und Äcker Südlichterfeldes und mischten sich mit der Detonation von Granaten und dem Einschlag von Projektilen – nicht immer zur Freude der Anwohner. Jahrzehntelang klagten sie über das endlose Kriegsgetöse in der Nachbarschaft. Bis Ende der 1980er-Jahre wurden auf dem US-Gelände Trainingsübungen mit schwerer Munition und Panzern, die über das Land rollten, bei Tag und Nacht durchgeführt. Mitte 1989 machten die Amerikaner endlich Zugeständnisse: In den Nächten zwischen 7 und 22 Uhr wurde eine Ruhezeit vereinbart, die Schießübungen auf Kleinkaliberwaffen mit Blindmunition beschränkt, Hubschrauber-Tiefflüge sollten in dieser Zeit vermieden werden und auch Konvois nicht mehr durch die Nachbarschaft zu dem Trainingsgelände anrollen. Außerdem stimmten die Amerikaner Ruhezeiten an Sonn- und Feiertagen zu, schlossen eine Sandbahn-Ralleystrecke in Parks Range und verpflichteten sich lautstarke Kampfhandlungen in der Geisterstadt „Doughboy City“ auf das Nötigste zu beschränken. Doch alles hatte seine Grenzen: Auf das alljährliche, dreiwöchige Manöver zur „Prüfung der Einheiten auf Kampfbereitschaft“ – den Nachbarn ein Dorn im Auge –wollten die US-Amerikaner nicht verzichten. Übungen auch an Feiertagen: Der Lärm des schweren Geräts wurde zum Streitpunkt mit den Anwohnern.

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