Berliner Morgenpost Club | Lost Places Berlin | Teil 2

7 TEUFELSBERG neues Wachgebäude und gedeckte Verbindungsgänge zwischen den Hauptbetriebsgebäuden und dem Radarturm. Anstelle des alten Messegebäudes wurde das experimentelle Abhörgerät „Jambalaya“ installiert und die Briten ließen einen 120 Meter hohen rotweißen Antennenmast aufstellen. Bis 1978 wurden die letzten mobilen Einheiten demontiert. Für den Bau des neuen, bis 1983 fertiggestellten Betriebsgebäudes Teufelsberg II musste die Verbrennungsanlage für Dokumente versetzt werden. Das Messegebäude wurde als gestaffeltes Gebäudes samt großzügiger Glasfassade – eine Ausnahme auf dem Gelände – realisiert. Außerdem entstanden eine zweite Transformatorenstation sowie zwei weitere Elektrozentralen. Das Wachlokal wurde um Schlaf- und Lagerräume erweitert und erhielt eine Telefon- und Brandmeldezentrale. Als eine der letzten Baumaßnahmen wurden die Hauptgebäude gedämmt, der Jambalaya-Turm 1987 abgerissen und auf den Fundamenten ein neuer Turm errichtet. Von außen war die Station durch zwei 1,20 Meter auseinanderstehenden Zäune mit Kontakt-Sensoren abgeschirmt, durch die ein Postenweg für Patrouillen verlief. Sobald ein Zaun berührt wurde, waren Einheiten der auf dem Teufelsberg stationieren Sonderabteilung US-Militärpolizei (USAMPC) zu Stelle. US-Abhörstation Teufelsberg: Das waren die Aufgaben der Spionage-Hochburg Mit der Anlage auf dem Teufelsberg betrieb die US-Army Security Agency (ASA), eine Unterabteilung der NSA, eine der effektivsten Abhörstationen Richtung Osten. 1977 ging diese in das „Intelligence and Security Command“ (INSCOM) über, das von nun an die Verantwortung der Abhörstation auf dem Teufelsberg übernahm. Auf Seiten der Amerikaner war die NSA für die elektronische Aufklärung zuständig, auf der Seite der Briten, der SIS (Secret Intelligence Service). Darüber hinaus besaßen auch die Marine und die Luft- und Landstreitkräfte eigene geheimdienstliche Einheiten, die von der Field Station aus operierten. Die Aufgabe der stationierten Geheimdienste war die elektronische Aufklärung, die Überwachung des Funkverkehrs und die Dechiffrierung und Lageanalyse. Von der Anlage auf dem Teufelsberg und vernetzter weitere Geheimdienststandorte in Berlin wurde der Funkverkehr des „Warschauer Pakts“ einschließlich der DDR-Behörden überwacht, abgehört, protokolliert und bei Bedarf gestört. Hinter den vier großen, mit textilem Gewebe bespannten Radomen verbargen sich für diese Aufgabe Parabolantennen unterschiedlicher Größe sowie Breitbandantennen. Die gesammelten Daten wurden per Satellitenverbindung an das NSAHauptquartier im US-amerikanischen Fort Meade weitergeleitet. Die Field Station war auf ihrem Höhepunkt in der Lage in einem Umkreis von 250 Kilometern aktive Funkmessanlagen zu erfassen und deren Radaraussendungen auszuwerten. Zusammen mit anderen Objekten entstand mit ihr ein bis 500 Kilometer tiefes Frühwarnsystem der stationierten Streitmächte. Die rund 800 INSCOMSpezialisten, die im Schichtbetrieb rund um die Uhr in der Abhörstation arbeiteten, wurden drei Mal täglich mit Bussen auf den „Hill“ gefahren und nach Dienstende wieder abgeholt. Insgesamt waren bis zu 1500 Armeeangehörige und Mitarbeiter in der Field Station eingesetzt. Vier Mal wurde Berlins Spionagehochburg bis Anfang der 1990er-Jahre mit der „Travis Trophy“ als wichtigste US-Abhörstation zur strategischen Aufklärung ausgezeichnet. US-Abhörstation Teufelsberg: Infiltrationsversuche durch den KGB In der jahrzehntelangen Geschichte der Abhörstation gab es diverse Infiltrationsversuche durch die Geheimdienste des Ostblocks. Einer der spektakulärsten: der Fall Hüseyin Yildirim Ende der 1970er-Jahre. Der türkischstämmige Gastarbeiter hatte in Süddeutschland bei Mercedes Benz als Kfz-Meister gearbeitet, bevor er 1972 nach Westberlin ging. Diamantenhandel, Versicherung, Anlageberater – Yildirim hatte viel versucht, bevor er 1979 auf der Suche nach einer Finanzspritze kurzerhand nach Ostberlin fuhr und beim Auslandsnachrichtendienst der DDR vorsprach. Die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des MfS und ihr großer Bruder – die Sowjetdienste – interessierten sich vor allem für das Geschehen auf dem Teufelsberg, und heuerten Yildirim als Agent an, Deckname „Blitz“. Schnell fand der geschickte Kfz-Meister, der von den GIs „The Meister“ genannt wurde, eine Anstellung mit Kontaktaussichten. Beim „Auto Craft Shop“, einer Werkstatt für US-Soldaten in den Lichterfelder Andrews Barracks, freundete er sich mit Angehörigen der INSCOM-Einheit an, die auf dem Teufelsberg im Schichtdienst den Feind abhörten und privilegierten Zugang zu Geheimdienstdokumenten hatten. Ruinen der Abhörstation der Britischen Armee und US-Armee auf dem Teufelsberg in BerlinGrunewald Foto: picture alliance / Caro | Muhs

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