8 TEUFELSBERG US-Abhörstation Teufelsberg: Der „Meister“ und sein Gehilfe führten die NSA vor Die wichtigste Quelle: Der notorisch in finanziellen Schwierigkeiten steckende US-Unteroffizier James H. Hall – Deckname Paul. Hall arbeitete auf dem Teufelsberg in der fernmeldeelektronischen Aufklärung und genoss die höchste Zugangsberechtigung zu Geheimdienstinformationen. Bis Mitte der 1980er-Jahre verkauft das Agentenduo Hall-Yildirim Tausende klassifizierte Informationen, streng geheime Dokumente und brisante Unterlagen an die Geheimdienste der DDR und UdSSR. Darunter die National SIGINT Requirements List, eine 4000 Seiten lange Liste der Spionageziele der USA, sowie die brisante Nato-Strategie-Studie „Canopy Wing“, die die Möglichkeiten auslotete, einen Atomkrieg durch Störung des Funkverkehrs des Gegners zu gewinnen. Hall schmuggelte die brisanten Dokumente in einer doppelbödigen Sporttasche aus der Abhörstation. Yildirim kopierte die Unterlagen und versteckte sie an unterschiedlichen Stellen in Berlin, in einem Keller in der Rankestraße 32 und auf einem Friedhof am Innsbrucker Platz, bis die Übergabe an die Kontaktpersonen in der DDR glückte. Erst 1988 wurde Yildirim, der sich aus dem Agentenbusiness zurückgezogen hatte und in den USA lebte, enttarnt, als James Halls Geheimnisverrat aufflog. Nach dreizehnjähriger Haftzeit im Hochsicherheitsgefängnis Pollock in Louisiana wurde Yildirim 2003 an die Türkei überstellt und dort aus der Haft entlassen. US-Abhörstation Teufelsberg: Die US-Armee zog vom Teufelsberg ab Trotz der geglückten Infiltrationsoperation war die Abhörstation auf dem Teufelsberg während ihres Bestehens überaus erfolgreich. Ende der 1980erJahre gab es noch Ausbaupläne, die bis 1995 erfolgen sollten und mit einem jährlichen Budget von 30 bis 60 Millionen Euro veranschlagt wurden – doch der Fall der Berliner Mauer, die Wiedervereinigung und der Zerfall der Sowjetunion Anfang der 1990er-Jahre durchkreuzten die Erweiterungspläne. Unter den neuen weltpolitischen Verhältnissen war die Echolon-Station im Grunewald nicht mehr vonnöten. Auf dem Teufelsberg wurden die SigAdresse: Teufelsseechaussee 10, 14193 Berlin-Grunewald Geschichte: Anfang der 1960er-Jahre installierte die US-Armee die erste mobile Abhörstation auf dem Teufelsberg, nachdem die Briten bereits seit Anfang der 1950er-Jahre den Ort zur militärischen Überwachung des Flugverkehrs genutzt hatten; ab 1963 Bau und Betrieb der Abhörstation in mehreren Bauabschnitten; bis zur Wiedervereinigung Überwachung des Funk-, Richtfunk- und Fernmeldeverkehrs der DDR; nach 1992 Leerstand Führungen: Die ehemalige Abhörstation kann individuell oder per Tour erkundet werden. Hier finden Sie mehr Infos zu den aktuellen Öffnungszeiten und Besuchshinweise (www.teufelsberg-berlin.de/besuch/ wichtige-informationen) sowie zu den angebotenen Führungen auf dem Teufelsberg Berlin (www.teufelsberg-berlin.de/ fuehrungen) Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09097869 Status: Lost Place. 1996 wurde das Gelände an einen privaten Investor verkauft. Bebauungspläne scheiterten, heute wird das Areal mitsamt der erhaltenen Ruinenlandschaft der Ex-Abhörstation als Graffiti-Galerie, Lost-Place-Besucherattraktion und Eventfläche vermarktet DAS SIND DIE FAKTEN ZUR ABHÖRSTATION TEUFELSBERG: naltürme und Rechnerzentren ausgeschaltet und die Schlapphüte, Übersetzer, Technikexperten und Soldaten verließen ihre Posten. Im Jahr 1992 wurde der größte Teil der bis dahin streng geheimen technischen Anlagen demontiert, auf Lkw verladen und ausgeflogen. Im Oktober 1992 schloss die US-Armee die Tore der verwaisten Anlage zu. Ein Jahr später wurde die Berlin Brigade durch US-Präsident Bill Clinton deaktiviert und die verbliebenen Militärs aus Deutschland abgezogen. US-Abhörstation Teufelsberg: Lost Place seit den 1990er-Jahre Auf dem Teufelsberg zurück blieben die ausgeweideten Gebäuderümpfe der einstigen Überwachungsstation – als steinern-stählerne Zeugen des Kalten Kriegs und der Teilung Deutschlands. Spionageaktivitäten sind auf dem Teufelsberg seitdem Geschichte. Doch mit ihrem Ende begann eine ganz andere Schlacht um die Ex-Abhörstation. Investoren und die Stadt Berlin suchten nach Ideen und Konzepten für das weltweit bekannte Symbol. Ein kleiner Teil des Areals, das 1992 vom Bund an das Land Berlin worden war, wurde seit 1995 von der deutschen Flugaufsicht genutzt, die neue Radaranlagen installieren ließ, doch es fehlte an einem tragbaren Nachnutzungskonzept für die Gesamtanlage, deren hoher Sanierungsbedarf unübersehbar war: So zeigten sich beispielsweise Risse im Sockel des 120 Meter hohen Rhode & Schwarz-Funkmastes, der wegen Einsturzgefahr 1996 demontiert werden musste. US-Abhörstation Teufelsberg: Anlage verfiel unter den Augen der Investoren Im selben Jahr verkaufte der Berliner Senat das 48.000 Quadratmeter große Areal an die Kölner Investorengemeinschaft Teufelsberg KG (IGTB), die durch das Architektenbüro Gruhl & Partner Planungsarbeiten erstellen ließ. Aus dieser Zeit kann bis heute das mittlerweile vollkommen überwucherte Muster eines luxuriösen Lofts auf dem Teufelsberg bewundert werden. Doch alle hochfliegenden Investitionsträume rund um das verlassene Militärgelände scheiterten: Pläne für exklusiven Wohnungsbau und Hotelnutzung mit Tagungszentrum ebenso wie der durch US-Regisseur David Lynch angestoßene Bau einer „Friedensuniversität“ und Guru-Hochburg sowie die von US-Veteranen vorgeschlagene Realisierung eines Denkmals des Kalten Kriegs. Die langen Verhandlungen führten dazu, dass Teile der Anlage über längere Zeit unbeaufsichtigt waren und massiver Vandalismus die bauliche
RkJQdWJsaXNoZXIy MjExNDA4